EINE MOLDAWISCHE BIOGRAPHIE

Von Harry Schaack

Bologan Selected Games Cover

Victor Bologan,
Selected Games 1985-2004,
Russel Enterprise 2007,
kartoniert, 236 S.,
24,95 Euro

(Das Belegexemplar wurde  freundlicherweise von der Firma Niggemann zur Verfügung gestellt.)

Der moldawische Großmeister Viktor Bologan zählt seit Jahren zur erweiterten Weltspitze. Er ist als Open-Spezialist bekannt und hat erstaunlich viele erste Plätze bei hochkarätigen Turnieren vorzuweisen. Sein herausragendster Erfolg war zweifellos sein Sieg 2003 beim Weltklasseturnier in Dortmund, wo er Renommierte wie Anand, Kramnik und Leko düpierte.

Bologans Lebenslauf ist nicht gerade typisch für einen Schachspieler. Er hat promoviert und zog sich trotz erfolgreicher Karriere 1996 vom Schach zurück. Nach der russischen Wirtschaftskrise feierte er ein Jahr später ein Comeback. Kürzlich siedelte Bologan nach Katar über, wo er als Schachtrainer arbeitet und die ehemalige Frauen-Weltmeisterin Zhu Chen betreut.

Jetzt ist die Partiensammlung des Moldawiers, der immer etwas abweisend wirkt, ohne dabei unfreundlich zu sein, in Englisch erschienen. Es ist erfreulich, dass sich in letzter Zeit auch unter den Spielern aus der „zweiten Reihe“ eine Kultur der selbstanalysierten Partien entwickelt hat. Denn gerade diese Kommentierungen sind etwas Besonderes. In dieser Tiefe können Partien normalerweise in Schachmagazinen alleine aus Platzmangel nicht geboten werden. Und die 52 Selected Games von Bologan, der sich sein aggressives Spiel bei seinen vielen Openteilnahmen, wo nur der erste Platz zählt, erworben hat, lohnen allemal.

Man merkt der didaktischen Darlegung an, dass der Autor als Trainer tätig ist. Zwischen den Partien finden sich immer sogenannte „Lessons“, die den Kern der gezeigten Partien jeweils in drei Punkten zusammenfassen. Dabei sind die Anmerkungen sehr hilfreich und keinesfalls platt. Bologan legt Wert darauf, dass der Leser die Stellungsstruktur versteht.

Selected Games ist neben der Partiensammlung auch eine Biographie. Bologan geht auf die Verwirrung um seinen Vornamen ein und erklärt, warum er sowohl Viorel als auch Viktor heißt. Oder er spricht darüber, warum Moldawien innerhalb der sowjetischen Staatengemeinschaft ein schachliches Entwicklungsland war. Oder würdigt die Leistung des moldawischen Schachpatriarchen Tschebanenko.

Das Buch ist mit einem sehr nützlichen aber ungewöhnlichen Index zu Strategie, Taktik und psychologischer Technik versehen. Eben ein Buch, das gut zum Training eignet.

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