Harry Schaack

EDITORIAL

LIEBE LESER,

mit unserem Schwerpunkt widmet sich KARL diesmal einem aktuellen Thema. Denn bei mehreren Veranstaltungen der jüngeren Vergangenheit haben junge talentierte Spieler überzeugen können. So etwa Ruslan Ponomarjow, der kürzlich fast im Alleingang die Ukraine zum Erfolg bei der Mannschafts-WM führte. Aber auch Alexander Grischuk, Teimur Radschabow, u. a. haben sich als Spieler erwiesen, die bald um die “Krone des Schachs” mitkämpfen könnten.

Welchen Tribut aber junge talentierte Spieler zahlen, darüber berichtet Leontxo Garcia bei seinen Beobachtungen der Jugend-WM in Oropesa. Um diese Kinder wird von den Eltern, Trainern und Verbänden ein riesiger Aufwand betrieben. Doch woher weiß man, ob er gerechtfertigt ist? Eine Studie von Dirk Jordan, und die Einschätzungen des deutschen Bundesnachwuchstrainers Michael Bezold geben Orientierungshilfe. Ob junge Schachtalente gleich als Wunderkinder bezeichnet werden müssen, oder ob es sich hierbei eher um einen Mythos handelt, ist eine andere Frage. Harald Balló hat sich in der Schachgeschichte auf die Suche nach “echten” Wunderkindern gemacht. Dabei stellt sich schnell das Problem: Was ist Talent, was ist angelernt. Mit seinen Kategorien konnte er nur vier Wunderkinder finden. Ulrich Stock sucht dagegen in seinem engsten Familienkreis, in dem er seine Kinder einem schonungslosen Test unterzieht.

“Das Wunderkind kommt herein – im Saale wird’s still”, so beginnt eine Erzählung Thomas Manns. Wenn wir von Wunderkindern hören, stellen wir uns außer­gewöhnliche Personen vor, die uns staunen machen, denen im Leben alles spielend gelingt, die mit Leichtigkeit den Erfolg erreichen, den sich andere hart erarbeiten müssen. Dass überdurchschnittliche Begabung auch Schwierigkeiten mit sich bringt und nicht unbedingt Erfolgsgarant ist, erfahren sie von Heinz Brun­thaler und in dem Artikel über das Hochbegabtenzentrum Frankfurt.

Sozusagen als Klammer wird der Schwerpunktteil durch verschiedene Kurzporträts ergänzt, die Anfänge und Schwierigkeiten im Leben bekannter Schachspieler kurz umreißen.

Zudem hat wieder eine neue Rubrik in unser Heft gefunden. Der bekannte Autor zahlreicher erfolgreicher Bücher, Martin Weteschnik, wird ab sofort eine Taktik­rubrik betreuen. Nicht neu ist dagegen die Lieblingspartie, diesmal mit Artur Jussupow, der erklärt, warum er nicht seine spektakuläre Partie gegen Iwantschuk aus dem Kanditatenmatch von 1991 ausgewählt hat. Das “Blitzlicht” versteht sich dieses mal als Beitrag zum Schwerpunkt. Der Lüdenscheider Künstler Nasiolkowski fertigte eine Tuschezeichnung für KARL an, die ergeizigen Eltern Ideen zur schachlichen Frühförderung ihrer Zöglinge gibt.

Unser Kritikenteil holt ein Versäumnis der letzten Ausgabe nach, indem die Vereinswebsite von Rochade Kuppenheim vorgestellt wird. Sie zählt sicher zu den besten in Deutschland. Eine Neuerung ist das Arbeitsjournal, das über eine Video-Produktion mit GM Stefan Kindermann berichtet.

Schließlich müssen wir bedauerlicherweise die Mitteilung machen, dass Stefan Löffler aufgrund anderweitiger Verpflichtungen mit dieser Ausgabe aus der Redaktion ausscheidet. Er wird KARL aber als Autor erhalten bleiben.

Harry Schaack

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