EIN WORT ZUM SCHLUSS

Von Johannes Fischer

1930 gewann Polen die Schacholympiade in Hamburg. Es war einer der größten Erfolge in der Geschichte des polnischen Schachs, und die Schicksale der fünf Goldmedaillengewinner verraten viel über polnische und europäische Geschichte.

Akiwa Rubinstein wurde 1880 in Stawiski im damals russischen Teil Polens geboren und galt vor dem Ersten Weltkrieg als Weltmeisterkandidat. Ende 1926 zog er nach Belgien, spielte aber weiter für Polen. In Hamburg erzielte er mit 15 aus 17 das beste Ergebnis aller Teilnehmer, aber schon 1931 zog er sich wegen schwerer psychischer Probleme vom Turnierschach zurück. Er starb 1961 in Antwerpen.

Savielly Tartakower wurde 1887 im russischen Rostow am Don als Sohn eines österreichischen Vaters und einer pol­nischen Mutter geboren. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie war er staaten­los, entsann sich aber seiner mütter­lichen Seite und wurde Pole, obwohl er fließend Deutsch, Französisch und Russisch, aber kein Polnisch sprach. Seit 1924 lebte er in Frankreich und im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als „Lieutenant Cartier“ für die Freien Franzö­sischen Streitkräfte. Er starb 1956 in Paris.

Dawid Przepiórka, 1880 in Warschau geboren, war polnischer Meister, Problemkomponist und Mäzen. Er half, die Olympiade 1935 nach Warschau zu holen. Nach der deutschen Besetzung wurde er als Jude von der Gestapo verhaftet und 1940 bei Palmiry ermordet.

Kazimierz Makarczyk, 1901 in Warschau geboren, kämpfte in der polnischen Heimat­armee, der Armia Krajowa, und nahm 1944 am Warschauer Aufstand teil. 1948 wurde er polnischer Meister, aber 1952 durfte er wegen angeblicher politischer Unzuverlässigkeit nicht zur Olympiade fahren. Er galt bis zu seinem Lebensende 1972 in Łódź als hervorragender Trainer.

Paul – oder Paulino – Frydman wurde 1905 in Warschau geboren. Nach der Olympiade 1939 und dem Ausbruch des Krieges blieb er in Argentinien. In Buenos Aires betrieb er später das Schachcafé Rex, zu dessen regelmäßigen Gästen der Exil-Schriftsteller Witold Gombrowicz gehörte. Frydman starb in Buenos Aires 1982.