Harry Schaack

EDITORIAL

LIEBE LESER,

Paul Keres ist ein Phänomen. Er zählt zu den besten Schachspielern aller Zeiten und gehörte mehr als drei Jahrzehnte zur absoluten Weltspitze – aber Weltmeister wurde er nie. Seine Bücher und Partien machten ihn zum Vorbild zahlloser Schachspieler, und wer ihn kannte, schwärmt von seiner Bescheidenheit und Integrität. Ex-Weltmeister Boris Spasski hält Paul Keres „als Mensch und als Schachspieler“ für die bedeutendste Gestalt des Schachs im 20. Jahrhundert und in Estland wird er bis heute als Nationalheld verehrt. Vornehm im Auftreten und immer elegant gekleidet war Keres der perfekte Gentleman. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich dieser faszinierenden Persönlichkeit.

Valter Heuer, einer der besten Keres-Kenner, schildert die wichtigsten Stationen seiner wechselvollen Biographie. Vor allem kommen aber Leute zu Wort, die Keres gekannt haben. Seine Witwe und seine Tochter berichten über die Privatperson Paul Keres; Wassili Smyslow, Boris Spasski, Wolfgang Unzicker und Iivo Nei erinnern sich an den Schachspieler, Freund, Mitarbeiter und Rivalen. Michael Negele beschreibt, wie Keres als junger Mann „per Fernstudium zum Großmeister“ wurde, und Johannes Fischer untersucht, ob Keres den Weltmeistern von Capablanca bis Karpow tatsächlich ebenbürtig war.

Im Rubrikenteil berichtet Julio Granda Zuniga, wie schwer das Leben als Bauer in Peru ist, und wie man trotzdem noch glänzend Schach spielen kann. In seiner Lieblingspartie brennt er gegen Seirawan schon in der Eröffnung ein kombinatorisches Feuerwerk ab. Im Porträt spricht Deutschlands bekannteste Schachspielerin Elisabeth Pähtz über Männer- und Frauenschach, ihre Erfahrungen mit Presse und Fernsehen und ihre Zukunftspläne. Michael Ehn und Ernst Strouhal werden etwas ausführlicher als gewöhnlich, da sie mit dem Komponisten Arnold Schönberg und seinem Koalitionsschach ein interessantes Sujet gefunden haben, über das bislang wenig bekannt ist.

Unser besonderer Dank gilt Frau Maie Keek („für Keres tut man in Estland fast alles“) vom Deutschen Kulturinstitut in Tartu, Frau Maaja Silm von der Estnischen Fremdenverkehrszentrale in Tallinn, der Fluggesellschaft Estonian Air, sowie Herrn Hendrik Olde vom Estnischen Schachverband für ihre Hilfe und Unterstützung bei unseren Recherchen in Estland. Ohne ihr großzügiges Engagement hätte das Heft in der vorliegenden Form nicht entstehen können. Außerdem sind wir Valter Heuer verbunden, der uns historisches Bildmaterial und wertvolle Unterlagen zur Verfügung stellte.

Harry Schaack

Richtigstellung: Auf Seite 39 unseres letzten Heftes zeigten wir eine Abbildung von Herrn John Richard Harman, dessen Herkunft wir fälschlich mit „Archiv: Binnewirtz“ kennzeichneten. Tatsächlich stammt das Foto von Herrn René Olthoff, der es 1984 während eines Besuches in Harmans Londoner Wohnung kurz vor dessen Tode aufnahm. Wir bitten den Irrtum zu entschuldigen.

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