EDITORIAL
LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,
unsere Frühjahrsausgabe widmet sich dem tschechisch-deutschen Großmeister Vlastimil Hort, der am 12. Mai 2025 im Alter von 81 Jahren verstorben ist. Hort war nicht nur ein Weltklassespieler, sondern ein Schachprofi, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Ihm ist es gelungen, sich selbst als eigene unverwechselbar Marke zu erfinden. Dank seiner Disziplin und seiner Professionalität war er über seine erfolgreiche Turnierkarriere hinaus bis ins hohe Alter gefragt.
Seine Popularität in Deutschland gründet sich auf die Fernsehsendung Schach der Großmeister, wo er gemeinsam mit Claus Spahn und Helmut Pfleger als Kommentator von 1984 bis 2005 mitwirkte und einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde. Mit seinem böhmischen Zungenschlag, seinem Anekdotenschatz und seinen Entertainmentqualitäten war er ein einzigartiger Schachunterhalter. Seine freundliche, aufgeschlossene Art, ohne jeden Dünkel, machten ihn zu einem der beliebtesten Großmeister. Auch deshalb wurde Hort gerne zu Simultan- und Blindvorstellungen eingeladen, von denen er so viele spielte wie vielleicht kein anderer.
Auch Michael Negele war von Horts unprätentiöser Art beeindruckt. Über vierzig Jahre hinweg begegnete er Hort immer wieder, bis ihn schließlich ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm verband, wie er in seinem Beitrag schildert.
Einblicke in Horts Privatleben eröffnet seine Frau Brigitte, die im Gespräch mit Karl zahlreiche Erinnerungen aufleben lässt. Nebenbei verrät sie, dass es von ihrem Mann nachgelassene Manuskripte gibt, die demnächst veröffentlicht werden sollen.
In Tschechien hat Hort vielleicht mehr noch als in Deutschland einen Legendenstatus. Einer seiner Förderer und guten Freunde, Jaroslav Svoboda, Besitzer des Prager Hotels Don Giovanni, hat im letzten Jahr ihm zu Ehren ein Hort-Memorial veranstaltet. Und gerade eben ist in diesem Hotel die Hort-Suite eingeweiht worden. Auch an den Beiträgen zu Horts Biografie unserer Autoren Jan Michálek und Michal Konopka merkt man, welche besondere Wertschätzung Hort in seinem Geburtsland genießt.
Hort war neben Miroslav Filip der einzige Tscheche, der je an einem Kandidatenturnier teilgenommen hat. Frank Zeller zeichnet in seinem Artikel die tragischen Umstände nach, die zu Horts Niederlage im Match gegen Spasski geführt haben.
Mihail Marin macht in seiner Stilanalyse deutlich, dass Hort ein universeller Spieler war, der der Eröffnung wenig Aufmerksamkeit widmete, aber im Mittelspiel seine größte Stärke entfaltete. In seinen besten Zeiten war er wegen seiner Defensivqualitäten kaum zu schlagen, was sich in dutzenden von Turniersiegen niederschlug. Vielleicht hätte er noch erfolgreicher sein können, wenn er seine chronische Zeitnot in den Griff bekommen hätte.
Bleibt noch, auf unser 25-jähriges Jubiläum hinzuweisen. Das vorliegende Heft ist unsere 100. Ausgabe. Dafür möchte ich mich bei unseren Lesern bedanken. Ohne Sie hätte Karl nicht so lange bestehen können! Als Dank gibt es jede ältere Ausgabe bis zum 30. April zum Preis unserer Anfangsjahre für 5,- Euro (zzgl. Porto).
Harry Schaack
