EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

„Attacke“ gehört sicherlich zu den dankbarsten Themen, über die man im Schach schreiben kann. Es sind vor allem die großartigen Angriffssiege, verbunden mit hübschen taktischen Wendungen, die uns die Ästhetik des Spiels vor Augen führen und die in der kollektiven Erinnerung haften bleiben. Im Mittelpunkt dieses Heftesstehen bekannte wie fast vergessene Meister der Vergangenheit und der Gegenwart, die der unbedingte Wille zur aggressiven Offensive verbindet.

Michael Negele macht in seinem Beitrag über Kurt Richter deutlich, wie der Berliner Meister schon früh sein gesamtes Eröffnungsrepertoire auf sein taktisches Spiel ausgerichtet hat, was eines seiner Erfolgsrezepte war.

Andreas Calic erinnert an den Bremer Amateur Carl Hartlaub, der durch zwei Kurzsiege im Simultan gegen Weltmeister Emanuel Lasker bekannt geworden ist. Einige seiner äußerst scharf gespielten Partien sind so gelungen, dass sie auch einem Meisterspieler gut zu Gesicht stehen würden.

Michael Ehn stellt mit Esra Glass, Iosif Silber und Jacov Juchtman drei fast vergessene, aber äußerst starke Angriffsspieler vor, die selbst gegen Tal oder Hübner eindrucksvolle Siege erringen konnten. Alle drei vereint eine existenzielle Unruhe und Heimatlosigkeit, die diesen Biografien etwas Tragisches verleiht.

Mihail Marin widmet sich mit Alexei Schirow dem bekanntesten Angriffsspieler unserer Zeit. Mittlerweile ist der Mann aus Riga auf Platz 75 der Weltrangliste abgerutscht und steht nicht mehr im Rampenlicht wie früher. Sein Spiel hat dagegen nichts an Attraktivität verloren. Alleine seine Präzision ist nicht mehr so hoch wie früher, weshalb er nicht mehr so erfolgreich ist.

AlphaZero rüttelte mit seinen spektakulären Partien gegen Stockfish die Schachwelt auf, und das, nachdem es in nur wenigen Stunden ohne menschliches Zutun das Spiel erlernt hatte. Johannes Fischer führte mit den beiden Autoren des kürzlich erschienenen Buches Game Changer, Matthew Sadler und Natasha Regan, ein Interview über die Angriffsqualitäten dieses Programms, das dem Schach ganz neue Horizonte eröffnet hat. „Diese Partien sind so reichhaltig und enthalten so viel wunderbares Material! Es sind aufregende Zeiten für das Schach!“, fasst es Sadler zusammen.

Mit den Berlin Bears griff in diesem Jahr ein neu geformtes deutsches Team in der PRO Chess League an. Karl wirft einen Blick auf die Gründungsgeschichte der Kreuzberger Jungs, die Zukunftschancen der Internetliga und den dramatischen Kampf um den Klassenerhalt.

Wir bedanken uns für die rege Teilnahme an unserem Weihnachtspreisrätsel. Die Sieger des Karl-Jahresabos und der vom Schachverlag und Schachversand Reinhold Dreier gestifteten Turnierbücher zum XIX. Kongress des Deutschen Schachbundes zu Mannheim 1914 sowie die Lösung finden Sie auf S. 55.

Harry Schaack

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