Harry Schaack Editorial 2

EDITORIAL

LIEBE KARL-LESER,

2015 jähren sich zwei Ereignisse, die miteinander verknüpft sind. Zum einen feierte Wolfgang Uhlmann, einer der besten deutschen Spieler aller Zeiten, am 29. März seinen achtzigsten Geburtstag. Zum anderen hat der Staat, dessen Aushängeschild er war, vor 25 Jahren aufgehört zu existieren. Genug Anlass für KARL, um in dieser Ausgabe einen Blick auf die beeindruckende Karriere des Dresdners zu werfen und sich dem Schach in der DDR zu widmen.

Wolfgang Uhlmann hat viele Erfolge vorzuweisen, war WM-Kandidat und steht noch heute oft für das Schach in der Öffentlichkeit. Trotzdem liegt bislang keine Biographie von ihm vor. Deshalb bieten wir den Lesern in diesem Heft eine umfassende Schilderung seines Lebenslaufes, die einen Menschen zeigt, der sich nicht unterkriegen lässt, obwohl ihn immer wieder gesundheitliche wie sportpolitische Probleme zurückwerfen. Trotz dieser Schwierigkeiten blickt er heute zufrieden auf sein Leben zurück und ist glücklich, dass ihm das Schach stets ein treuer Begleiter war. Aber natürlich sind es die Partien, die im Gedächtnis bleiben. Einige seiner besten hat Wolfgang Uhlmann für KARL analysiert.

Während Uhlmann wegen seiner Erfolge durchaus privilegiert war, litten andere starke Spieler der DDR später unter dem Leistungsbeschluss von 1973, der ihnen die Teilnahme an internationalenen Wettbewerben verwehrte. Dass diese Abschottung in der DDR sich auch am Schachstil ablesen lässt, versucht Großmeister Mihail Marin anhand der Partien von Lothar Vogt und Rainer Knaak aufzuzeigen.

Wie sich das Schach in jenen Jahren in der DDR entwickelte, spiegelt sich in unseren Interviews. Konrad Reiß hat in Löberitz ein Schachmuseum aufgebaut. Und Raymund Stolze, der stellvertretender Cheflektor des legendären Sportverlags Berlin war, spricht über erfolgreiche Buchproduktionen, die GARDE-Uhr und darüber, wie die Zeitschrift SCHACH die schweren Jahre des Umbruchs nach der Wende überstanden hat.

Michael Negele widmet sich in seinem Beitrag der letzten Gesamtdeutschen Meisterschaft in Leipzig 1953. Er konnte noch mit Zeitzeugen über dieses Ereignis sprechen, was den Rückblick sehr lebendig gemacht hat. Über den ehemaligen DDR-Jugendmeister Edmund Budrich, der in den Fünfzigern in den Westen ging und dort erfolgreicher Verleger wurde, ist fast nebenbei ein Porträt entstanden.

Mit den Anfangsjahren der DDR ist auch Bertolt Brecht verbunden. Bernd-Peter Lange zeigt, wie die Schachpartien, die er in seinem dänischen Exil mit Walter Benjamin gespielt hat, zu tröstlichen Momenten geworden sind.

Harry Schaack

ERRATA:

Auf den Seiten 14 und 15 ist es in der Uhlmann-Biografie in unserer Printausgabe zu falschen Alterszuordnungen gekommen. Die Fehler haben wir in der Internetversion behoben. Wir bitten diesen Fauxpas zu entschuldigen.

 

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