Harry Schaack

EDITORIAL

LIEBE LESER,

in diesem Jahr begeht der Hamburger Schachklub von 1830 e.V. sein 175jähriges Jubiläum. Nach der Berliner Schachgesellschaft von 1827 ist der HSK der zweitälteste noch bestehende und mit über 400 Mitgliedern der bei weitem größte Schachverein Deutschlands. Unser Heft widmet sich seiner älteren und jüngeren Geschichte und zeigt die spezifischen Probleme, mit denen ein Klub solcher Größe zu kämpfen hat.

Der HSK musste in seiner langen Historie mehrmals um seinen Fortbestand bangen und hat Katastrophen wie den Stadtbrand von 1842 oder die beiden Weltkriege überstanden. Die engagierten und finanzkräftigen Mitglieder, meist einflussreiche und betuchte Hamburger Kaufleute, sorgten dafür, dass der Verein alle Krisen überlebte. Erst ihre tatkräftige Unterstützung ermöglichte die ruhmreichen Feste und zahlreichen Schachveranstaltungen im Namen des Vereins. Der anhaltende Erfolg des HSK verdankt sich jedoch einigen wenigen Persönlichkeiten, die Hamburg zu einem regelrechten Schachzentrum machten.

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts führte Walter Robinow den Verein zur Blüte. Michael Negele beschreibt, wie der jüdische Kaufmann anlässlich des 100jährigen Jubiläums mit der Schacholympiade 1930 die größte Veranstaltung der Vereinsgeschichte in die Hansestadt holte.

Schon wenige Jahre später werden Robinow und andere jüdischen Mitglieder durch die Nationalsozialisten aus dem Verein gedrängt. In dieser dunklen Epoche wächst mit Klaus Junge das größte Talent heran, das der Verein je hervorgebracht hat. Edmund Bruns stellt an seinem Beispiel die Instrumentalisierung des Schachs im Dritten Reich dar.

Im Nachkriegsdeutschland führte der Hamburger Kakao-Zar Emil Dähne die Tradition Robinows fort. Auch er holte in seiner Doppelfunktion als Vereinsvorsitzender und Präsident des DSB viele internationale Veranstaltungen an die Elbe. Sein größtes Verdienst war sein Einsatz für die Jugendlichen. Andreas Albers skizziert die Geschichte des Hamburger Jugendschachs und zeigt, wie der heutige Vorsitzende Christian Zickelbein maßgeblich zur positiven Fortentwicklung beigetragen hat. Heute ist die erfolgreiche Jugendarbeit zu einer der unentbehrlichen Stützen des HSK geworden.

Ein Problem, das den Klub seit seiner Gründung immerfort verfolgte, war die Suche nach einem geeigneten Spiellokal. Daher zählt der Bau des eigenen Klubheims in den Neunziger Jahren zu den wichtigsten Ereignissen der Vereinsgeschichte, wie Wolfram Runkel in seiner atmosphärischen Reportage zu erzählen weiß.

Mit seinen Erinnerungen eines Nichtmitgliedes zeigt Johannes Fischer, dass das Miteinander zwischen einem dominanten Klub wie dem HSK und anderen Stadtvereinen nicht immer unproblematisch ist.

In Verbindung mit dem Schwerpunkt stellen wir im Porträt den Hamburger Großmeister Karsten Müller vor. Der erfolgreiche Autor spricht über seine Liebe zu Büchern, seinen taktischen Stil und die Bundesliga.

Zuletzt noch der Dank an Horst Krieger, Claus Langmann und Christian Zickelbein für ihre außerordentliche Hilfsbereitschaft und nützlichen Hinweise. Insbesondere bin ich allen Verantwortlichen des HSK verbunden, die mir das Vereins-Archiv zugänglich machten, sowie die Erlaubnis zum Abdruck der dort befindlichen historischen Fotographien erteilten.

Harry Schaack

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