Konstantin Sakaev,
Semko Semkov,
The Queen's Gambit
Accepted,
Current Theory and
Practice Series,
Third Revised Edition 2008,
Chess Stars,
254 Seiten,
Paperback,
€22,95

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

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Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

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GUTE ÜBERSICHT

The Queen's Gambit Accepted von GM Konstantin Sakaev und IM Semko Semkov liegt nun schon in der dritten Auflage vor. Die Autoren möchten einen Überblick über den theoretischen Stand des angenommenen Damengambits geben, aktuelle Entwicklungen bewerten und aufzeigen, welche Varianten in Zukunft in der Großmeister-Praxis vermutlich im Mittelpunkt stehen werden.

Die Autoren konzentrieren sich auf Eröffnungsvarianten und brechen die Darstellung meist zwischen dem 15. und 25. Zug ab. Längere Partiefragmente werden nur ausnahmsweise gedruckt. Das Englisch der Autoren ist, wie üblich im Chess Stars Verlag, des öfteren etwas holprig, aber immer leicht verständlich.

Der Band ist insgesamt übersichtlich organisiert. Obwohl eine Fülle von Varianten vorgestellt werden ist es dem Verlag gelungen, übermäßig lange Kapitel zu vermeiden. Variantenbäume sind üblicherweise nicht länger als "C2b". Allerdings ist die Darstellung von Abweichungen zum Haupttext gelegentlich schlecht gelungen: Alternative Abspiele werden im gleichen Schrifttyp und mit derselben Einrückung wie die Hauptvariante gedruckt.

Sakaev und Semkov stellen jedem der 28 Kapitel eine Einleitung voran, in der sie die Ideen der jeweiligen Variante erläutern. Diese Erläuterungen fallen in Stil und Umfang jedoch sehr unterschiedlich aus. Oft finden sich lediglich Aussagen zu Popularität oder Gefährlichkeit einer Variante, mitunter gehen die Autoren aber auch ausführlich auf beiderseitige Entwicklungspläne ein, unter Zuhilfenahme von verschiedenen Beispielstellungen. Im eigentlichen Text gehen Sakaev und Semkov zumeist nur sparsam mit Erklärungen um. Diese sind aber sehr prägnant und treffen den Kern der Stellung. Die Autoren vermitteln durchaus einiges an Stellungsverständnis.

Jedes Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung und Bewertung der wichtigsten Varianten.

Während mit der 2. Auflage 2005 eine größere Umstrukturierung einherging, wurden in der dritten Auflage nur wenige Kapitel stärker überarbeitet. Das sind vor allem:

  • Kapitel 4 3.e4 e5 4.Nf3 ed4 5.Bc4 Nc6 6.0-0
  • Kapitel 15 3.Nf3 Nf6 4.e3 e6 5.Bc4 c5 6.0-0 a6 7.Bb3 b5
  • Kapitel 26 3.Nf3 Nf6 4.e3 Bg4

In diesen Abspielen hat es in den letzten Jahren einige neue Ideen und Umbewertungen gegeben. In den übrigen Kapiteln wurden meist nur kleinere Änderungen vorgenommen.

Im Unterschied zu den ersten beiden Auflagen hat Semko Semkov die dritte Auflage im Alleingang bewältigt, Konstantin Sakaev war nicht involviert. Die neueren Partien der Top-GMs hat Semkov dabei zuverlässig bearbeitet, z.B. auch die Partien zwischen Aronian und Schirow, Kandidatenturnier Elista 2007. Bei der Bearbeitung der aktuellen Literatur sind Semkov jedoch leider einige Unterlassungssünden anzukreiden: Obwohl er z.B. im Literaturverzeichnis das Repertoire-Buch zum angenommenen Damengambit von James Rizzitano erwähnt, Beating 1. d4, Gambit Verlag 2006, und auch gelegentlich darauf verweist, übergeht er jedoch zahlreiche interessante Verbesserungsvorschläge Rizzitanos.

Semkov hat sich aber viel Mühe gegeben, offene eröffnungstheoretische Probleme zu lösen: In Varianten, in denen Weiß oder Schwarz in der Praxis schlecht abschneiden, macht er Verbesserungsvorschläge. Unzutreffende Stellungsbewertungen aus anderen Publikationen korrigiert er.

Insgesamt muss das Buch als gelungen bezeichnet werden. Einige Schachfreunde werden sich mehr Erklärungen wünschen oder vollständig kommentierte Partien, andere mehr Varianten und wieder andere tiefere Analysen. Semkov und Sakaew präsentieren jedoch einen guten Kompromiss, der es dem Leser ermöglicht, sich mit überschaubarem zeitlichen Aufwand einen Überblick über das angenommene Damengambit zu verschaffen.

Fazit:
Trotz einiger Mängel eine gute Übersicht zum angenommenen Damengambit, die Autoren sind Experten, die Leser profitieren davon. Besitzer der zweiten Auflage können die dritte durchaus aussparen. Wer ein Repertoire-Buch zum angenommenen Damengambit sucht, sollte überlegen, zum Buch von Rizzitano zu greifen.

 

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