Chess Exam and
Training Guide: Tactics;
Igor Khmelnitsky, Iam Coach
Press 2007,
206 Seiten,
Englisch, Euro 19,95


Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung
im Schach,

Jacob Aagard,
Quality Chess 2007
(Original 2004),
213 Seiten, Deutsch,
Euro 24,99


Perfect your chess,
Andrei Volokitin &
Vladimir Grabinsky,
Gambit 2007,
159 Seiten,
Englisch
(von Steve Giddins),
Euro 20,95

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Frank Roeberg

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Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

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TAKTIK, TAKTIK, TAKTIK!

Taktikbücher gibt es wie Sand am Meer und Aufgabensammlungen ebenso. So freue ich mich besonders, heute drei Werke vorstellen zu können, die spezifische Besonderheiten vorzuweisen haben!

I. Chess Exam and Training Guide: Tactics von Igor Khmelnitsky und Iam Coach

Wie ungerecht ist es doch, dass es im Schach nur drei mögliche Ergebnisse gibt! Und dass wir nie messen können, wie gut wir in einer Partie eigentlich gespielt haben! Und dass die DWZ und die ELO-Zahl auch nicht dabei weiterhelfen und außerdem bestimmt zu niedrig sind!

Was den Bereich der Taktik angeht, naht aber nun die Rettung: Igor Khmelnitsky hat uns mit seinem neuesten Training Guide ein zuverlässiges Messinstrument in die Hand geliefert. Mit Hilfe seines ausgeklügelten Bewertungssystems können wir nicht nur unser „Taktikrating“ ermitteln, sondern erfahren auch ganz konkret in welchen Bereichen wir die größten Schwächen aufweisen und woran wir trainieren sollten.

Da das Werk nur 60 Aufgaben mit je zwei Fragestellungen umfasst, habe ich einen Selbstversuch gewagt – und siehe da: das Endergebnis entsprach meinem DWZ Rating ziemlich exakt! Durch die Auswertung weiterer Tabellen hätte ich noch herausfinden können, welche Taktikmotive mir am meisten Sorgen bereitet haben – durch gezieltes Training könnte ich dann ja sicher bald das kombinatorische Sehvermögen und die Rechenpräzision eines Supergroßmeisters erreichen!

Spaß beiseite – Khmelnitsky überschätzt vielleicht etwas die Signifikanz seiner Ergebnisse. Da innerhalb der Aufgaben oft mehrere Motive zur Anwendung kommen, lässt sich im Nachhinein nicht unbedingt feststellen, woran genau man bei der Lösung gescheitert ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Spieler ausgerechnet bei ganz bestimmten taktischen Motiven immer wieder versagt und sich durch ein gezieltes Training an dieser Schwäche verbessern könnte.

Abgesehen davon hat mir das Buch trotzdem ganz gut gefallen. Die Aufgaben waren sehr gut ausgesucht, die Aufgabenstellungen abwechslungsreich aber immer präzise und der Lösungsteil beinhaltete noch einige nützliche Ratschläge. Dem Test angehängt ist noch ein kleiner Trainingsteil, der aber mehr oder minder nur die Taktikmotive anhand von Beispielen abhandelt und somit eher zur Klärung der Nomenklatur beiträgt.

Fazit: Eine sehr schöne Aufgabensammlung, die sich durch den betonten Testcharakter insbesondere für Jugendtraining eigenen dürfte. Angesprochen werden m.E. Spieler im Ratingbereich zwischen 1500-2100.

 

II. Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung im Schach von Jacob Aagard

Henrik Teske hat das Buch des Wahlschotten Jacob Aagard Excelling at chess calculation übersetzt und damit auch dem Unkundigen der Englischen Sprache die Möglichkeit gegeben, an Aagards Überlegungen teilzuhaben. Eine Übersetzung ist durchaus sinnvoll, da Aagard bekanntlich sehr textlastig ist – das vorliegende Werk stellt hier durchaus keine Ausnahme dar.

Präzise Variantenberechnung ist so etwas wie die Fitness des Schachspielers – so wie der Fußballprofi seine Trainingsrunden um den Sportplatz dreht, sollte also eigentlich auch der Schachspieler diese Grundfähigkeit ständig trainieren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dies in den meisten Fällen nicht geschieht – selbst die Trainingsfleißigsten lesen eher ein neues Eröffnungsbuch, als an ihrem eigentlichen Rüstzeug zu arbeiten. Daraus spricht nicht nur Faulheit, sondern möglicherweise auch die Unsicherheit, wie man überhaupt vorgehen sollte. Liefert uns Jacob Aagard nun endlich die Antwort?

Man sollte nicht enttäuscht sein, dass auch er nicht das Ei des Kolumbus bieten kann. Sein Verdienst besteht eher in der Zusammenfassung und kritischen Kommentierung aller relevanten Autoren, die sich zuvor zu diesem Thema geäußert haben. Das macht sein Buch durchaus lesenswert und mag zumindest als Denkanstoß dienen – vielleicht ist es ja schon ein großer Erfolg, wenn wir überhaupt unsere Denkprozesse während einer Schachpartie reflektieren und die Notwendigkeit einer, wie auch immer gearteten, Ordnung anerkennen.

Das Kernproblem bleibt aber trotzdem bestehen und wird von Aagard in Kapitel 8 auf knapp 4 Seiten behandelt: „Wie trainiert man das Berechnen von Varianten?“

Er beantwortet die Frage so, als stünde dort ein „Woran?“ und kein “Wie?“. Danach wird zur Praxis übergegangen: 100 Aufgaben, unterteilt in die Themen Kandidatenzüge, Kombinationen und Bauernendspiele warten auf den Leser. Punkte und Meisterehren werden auch hier verteilt – mehr Eindruck machte allerdings die gute Qualität der ausgewählten Stellungen.

Fazit: Wer sich noch nie mit der Frage der Variantenberechnung befasst hat, wird mit diesem Buch sehr gut bedient sein – es stellt gewissermaßen ein Kompendium zum Thema dar. Dank des anspruchsvollen Aufgabenteils kann man auch einen praktischen Nutzen aus dem Werk ziehen.

 

III. Perfect your chess von Andrei Volokitin und Vladimir Grabinsky

Andrei Volokitin, der junge ukrainische Supergroßmeister, liefert hier in Co-Produktion mit seinem Trainer Vladimir Grabinsky sein Erstlingswerk ab. Die beiden machen sich nicht viele Umstände – vier Seiten Einleitung und dann geht es an die Arbeit. Insgesamt 369 Stellungen warten auf den Leser, davon 3x 23 aus Volokitins Praxis und 3x100 sehr ausgewählte Beispiele auf Weltklasseniveau. Unterteilt ist das ganze in die Rubriken „Make a move“, „Find the win“ und „Answer a question“, außerdem noch in je 40% FIDE-Meister – und IM – Niveau und 20% Großmeisterniveau. Letzteres lässt sich natürlich nicht so genau festlegen, aber ich kann festhalten, dass die Aufgaben sich in jedem Falle an fortgeschrittene Spieler wenden.

Im Lösungsteil machen die Autoren noch ab und an kleinere, schachphilosophische Einschübe, aber ansonsten haben wir wirklich ein reines Arbeitsbuch vor uns. Wenn doch mal etwas gesagt wird, ist es zumeist sehr treffend. Dem Kapitel „Make a move“ geht z.B. die Erkenntnis voran, dass Erfolg einfach davon abhängt, in jeder Stellung einen guten Zug zu spielen. Das wird dann auch die Aufgabe des Lesers sein.

Punkte gibt es in diesem Buch nicht zu verdienen – Volokitin spricht dafür die Hoffnung aus, dass wir wertvollere im Turnier erlangen werden.

Im Nachwort versprechen die Autoren, alle Emails zu beantworten, die auf eventuelle Fehler in den Aufgaben hinweisen. Ich habe das Gefühl, dass sie nicht sehr viel Arbeit damit haben werden.

Fazit: Für den ambitionierten Spieler ab 2000 ein sehr gutes Trainingsbuch – ein klarer Kauf!

 

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