Neil McDonald,
Englische Geheimnisse,

Everyman Chess, 2007
(Original 2003),
216 Seiten,
23,- Euro


Zenon Franco,
The English Opening,

Gambit 2006,
111 Seiten,
20,35 Euro


Richard Palliser,
Beating unusual chess openings,
Everyman Chess 2006,
223 Seiten,
22,- Euro

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Frank Roeberg

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

Englische Spezialitäten

I

Englisch gehörte nie zu meinen bevorzugten Eröffnungen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Weißen ohne Sinn und Verstand irgendwelche Schemata abspulten, ohne sich zu exponieren und darauf hofften, dass sich der Schwarze vor Langeweile selbst umbringen würde. Neil McDonalds Buch Englische Geheimnisse aus der Starting Out – Reihe des Everyman Verlages, das jetzt in Übersetzung von Johannes Fischer erschienen ist, hat mit diesem Vorurteil aufgeräumt – soviel kann ich vorweg sagen. Der britische Schachtrainer weist schon zu Beginn auf das Wesen der Englischen Eröffnung hin: die Zurückhaltung im Zentrum gestattet dem Anziehenden ein ansonsten riskantes Vorgehen auf den Flügeln und kann durchaus zu sehr scharfen und zweischneidigen Positionen führen. Das dokumentieren sehr gut die glänzend ausgewählten Beispielpartien in den 9 Kapiteln, wobei jederzeit die Objektivität gewahrt bleibt und auch der Schwarze zu seinem Recht kommt. Da das mittlerweile vier Jahre alte Werk nicht den Anspruch hat, als Variantennachschlagewerk zu dienen, sondern einfach Grundstrategien, typische Spielgriffe und mögliche Ideen vermitteln will, spielt das Alter der Quellen keine Rolle. McDonald weist außerdem an mehreren Stellen darauf hin, wo eine ausführlichere Beschäftigung mit aktueller Theorie notwendig ist, um eine Variante zu spielen. Somit ist das Buch hervorragend geeignet für den Englischeinsteiger, aber auch der erfahrene Adept des c-Bauern wird vielleicht noch manche Anregung aus dem Werk erhalten, um sein Eröffnungsspiel zu dynamisieren.

Fazit: Ein Buch, das Lust auf Englisch macht – wer hätte es gedacht? (Keine Sorge – ich habe es vorsichtshalber tief in meinem Bücherregal versteckt)

II

Der paraguayanische Großmeister Zenon Franco liefert mit seinem Buch The English Opening eine schöne Sammlung von 25 sehr ausführlich kommentierten Meisterpartien zur Englischen Eröffnung ab. Das Partiematerial hält sich auf hohem Niveau und stammt beinahe ausschließlich aus den Jahren 2004-2005. Aufgeteilt wird das Ganze in drei Kapitel: Symmetrievariante (1.c5 c5), Sizilianisch mit vertauschten Farben (1.c4 e5) und Nimzo-Englisch + Mikenas System (1.c4 Sf6 2.Sc3 e6). Die Partien werfen nicht nur Licht auf gängige Theorieeinschätzungen, sondern sind auch in sich sehr unterhaltsam und bieten attraktives Großmeisterschach. Die Mischung aus theoretischer Betrachtung und Partieantholgie machen das Werk zu einem attraktiven Lesebuch nicht nur für den Englischspieler. Das Buch stellt in jedem Falle eine gute Ergänzung zu bereits vorhandenen Theoriewerken dar und macht einfach Spaß beim Lesen.

Fazit: Kein Einsteigerwerk, aber ein schönes Buch für den Computermüden

III

Man wird sich vielleicht wundern, umfangreiche Abhandlungen zur Englischen Eröffnung unter dem Titel Beating unusual chess openings zu finden. Der englische IM Richard Palliser hat unter dem leicht irreführenden Titel ein Repertoirebuch für Schwarz geschrieben, das sich mit allen Weißeröffnungen außer 1.e4 und 1.d4 beschäftigt. Dabei ist der erste Hauptteil (und beinahe die Hälfte des Buches) 1.c4 gewidmet. Palliser empfiehlt hier den Botwinnik-Aufbau (c5 und e5 von Schwarz) als ein grundsolides System.Im zweiten Hauptteil beschäftigt er sich mit 1.g3, 1.g4, 1.b3, 1.b4, 1.Sc3 und 1.f4. Hier hat mich die objektive Herangehensweise des Autors beindruckt, der auch die absurden Weißversuche ernsthaft analysiert. Im dritten Hauptteil widmet er sich dann dem 1.Sf3 Problem, wobei er die unterschiedlichen Repertoirevoraussetzungen gegen 1.e4 und 1.d4 gut berücksichtigt und für alle Bedürfnisse etwas passendes findet. In allen Kapiteln bietet er außerdem noch eine Alternative zu seiner favorisierten Variante an, sodass eine gewisse Flexibilität gewahrt bleibt. Insgesamt bietet das Buch ein sehr kompaktes Schwarzrepertoire an, wobei die Varianten ausreichend analysiert und objektiv eingeschätzt werden.

Fazit: Ein sehr gutes, ökonomisches Repertoirebuch, das vollkommen ausreicht, um gegen alles andere als 1.e4 und 1.d4 gewappnet zu sein, wenn man bereit ist, Pallisers Varianten zu spielen.

 

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