Anti-Anti-Sizilianisch
1.e4 c5 2.c3 b6
(Mureys Gegengift),
Frank Zeller,
gebunden, 191 Seiten,
Schachverlag Kania
2005

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
vom
Kania-Verlag

zur Verfügung gestellt.

 








von Uwe Kersten

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

EINE ORIGINELLE WAFFE GEGEN DEN
2.c3-SIZILIANER

Der Internationale Meister Frank Zeller legt mit obigem Werk schon sein drittes Buch vor, alle im Schachverlag Kania erschienen. Die Vorgänger Sizilianisch im Geiste des Igels (2001) und Einblicke in die Meisterpraxis (2004) sind bei den Kritikern gut angekommen und stehen nicht nur zufällig auch in meinem Bücherschrank.

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Themengebiet und zwar der Variante nach 1.e4 c5 2.c3 und nun das selten gespielte 2…b6. Ursprünglich hatte sich Zeller dieser Zugfolge im Rahmen einiger Randspringerartikel angenommen, doch auf Grund nicht nachlassender Nachfrage entschlossen, eine komplette Monographie zu verfassen. Freilich waren keine 191 Seiten geplant, doch wer das Schaffen von Frank Zeller kennt, weiß, das er zumeist mit Leidenschaft bei der Sache ist und kommerzielle Überlegungen schon mal in den Hintergrund gedrängt werden, wenn es gilt, die besten Zügen am Schachbrett zu finden.

So erhält der Leser ein mit viel Liebe und Arbeitsaufwand gefertigtes Buch, das versucht, der Wahrheit in diesem kleinen Bereich der Eröffnungstheorie ein Stück näher zu kommen. Obwohl Zellers Sympathien der schwarzen Seite zugeneigt sind, bemüht er sich doch stets um Objektivität und zeigt drohende Gefahren für Schwarz auf. Inwieweit das gesamte System theoretisch wasserdicht ist, mag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt es neben Frank Zeller selbst noch einige andere spielstarke „Anwender“, wobei der israelische Großmeister Artur Kogan wohl der herausragende Vertreter ist.

Druck und Layout geben sich in bewährter Kania-Qualität. Geschrieben im klassischen Theoriebuch-Stil, vermag der Autor durch eine Vielzahl origineller Überschriften wie „Das elegante, aber unpointierte 9.Se5“ oder „Der Doppelloch-Igel“ dem Leser stets eine gute Orientierung zu geben und hebt sich angenehm von Werken ab, welche mit „1.2.b.c.3“ die x-te Untervariante einleiten.

Die größte Schwäche des Buches, wenn man es denn so sehen will, ist seine sehr spezielle Thematik, wobei ich für Autor und Verlag hoffe, dass es finanziell dennoch ein gelungenes Projekt war bzw. wird. Der Leser erlebt durch Frank Zeller hautnah die Entwicklung einer Eröffnungsvariante und auch wenn der Vergleich zu Polugajewskis „Aus dem Labor eines Großmeisters“, wo der Autor die Entstehung seiner Polugajeski-Variante im Najdorf-Sizilianer schildert nicht ganz treffend sein mag, so merkt man Zeller doch an, wie er für „seine“ Variante im Buch kämpft.

Fazit: Wer eine neue Waffe gegen den 2.c3-Sizilianer sucht oder einfach nur die Entwicklung einer Eröffnungsvariante nachvollziehen will, dem sei dieses mit viel Enthusiasmus geschrieben Werk ans Herz gelegt.

 

 

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