Garri Kasparow,
Schachmatt!
Mein erstes
Schachbuch, 2005,
Edition Olms,
100 Seiten
hardcover,
14.95 €

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Uwe Kersten

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

GARRI KASPAROW SCHREIBT EIN ANFÄNGERBUCH!?

Können sie sich das Computergenie Bill Gates vorstellen, wie es ihnen die Funktionsweise eines einfachen Taschenrechners Nahe bringt. Ich nicht. Denn weder hat er es nötig, noch dürfte es ihm besonderes Vergnügen bereiten und ob er der beste Mann für so eine Aufgabe wäre, müsste auch erst noch geklärt werden. Ähnliche Fragen gingen mir die Tage durch den Kopf, als ich ein neues Schachbuch für Einsteiger mit dem Titel: „Schachmatt! Mein erstes Schachbuch“ in den Händen hielt und als Autor keinen Geringeren als Garri Kasparow auf dem Cover ausmachte. In der Einleitung erfährt man dann, dass Kasparow ungemein viel für die Verbreitung des Schachs getan hat und das vorliegende Werk ein weiterer Beitrag für sein Gesamtwerk darstellt. Nun gut, allerdings habe ich immer so meine Zweifel, wenn einer der ganz großen Namen auf einem Schachbuch prangt, ob denn die ganze Arbeit wirklich von ihm allein bewältigt worden ist oder ob es doch noch Schreiberlinge im Hintergrund gab und der gute Name hauptsächlich Verkaufsfördernd wirken soll. Jedoch sind dies nur Vermutungen, die der geschätzte Leser selber bewerten soll, das Vorwort ist zumindest von Garri Kasparow höchstpersönlich unterschrieben.

Äußerlich ist zunächst hervorzuheben, dass das ganze Buch sehr farbig gehalten ist. Jedes Kapitel ist mit einem anderen Farbton unterlegt. Auch innerhalb der einzelnen Abschnitte wird noch farblich variiert, um z.B. Merksätze oder Zusammenfassungen herauszuheben. Dabei verliert es sich aber nicht im Kitschigen und ist auch recht übersichtlich gehalten. Der Hardcovereinband macht einen robusten, kindgerechten Eindruck und auch die Seiten lassen sich gut aufschlagen, ohne gleich wieder zuzuklappen. Nicht so gut gefallen mir die verwendeten Diagramme. Die üblichen Zwei-Dimensionalen Diagramme haben nicht den üblichen Olms-Standard, gefallen mir optisch nicht besonders gut und sind in meinen Augen zumindest gewöhnungsbedürftig. Daneben arbeitet das Buch noch parallel mit Drei-Dimensionalen Diagrammen, wo das Brett dann aus optischen Gründen um ca. 45 Grad schräg liegt und die Figuren in ihrer tatsächlichen Form abgebildet werden. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Art der Abbildung für den Anfänger eine Erleichterung darstellt; ich als erfahrener Diagrammbetrachter sehe zumindest auf den ersten Blick deutlich weniger, als bei einem herkömmlichen Diagramm. Auch scheint mir die Verwendung von zwei unterschiedlichen Diagramm- bzw. Figurenarten prinzipiell nicht förderlich zu sein, wenn man sich als Einsteiger in eine Materie erst einarbeiten muss.

Inhaltlich macht das Buch einen sehr soliden Eindruck und vermittelt auf knapp 100 Seiten ziemlich genau das, was man von einem Anfängerbuch erwartet. Die einzelnen Kapitel tragen folgende Überschriften:

  • Die Grundlagen
  • Die Figuren und ihre Gangart
  • Notation
  • Sieg und Unentschieden
  • Mehr über die Figuren
  • Taktik
  • Schachmatt
  • Eröffnung
  • Endspiele
  • Lösungen der Übungsaufgaben
  • Glossar (Begriffsverzeichnis)

Sowohl die Reihenfolge als auch die inhaltliche Zusammenstellung der einzelnen Abschnitte ist gut gelungen. Bemerkenswert sind hier die so genannten „Meistertipps“, wo besonders wichtige Hinweise noch einmal hervorgehoben werden. Eine weitere Rubrik nennt sich „Was du wissen musst“ und fasst das Wesentliche einer Seite zusammen. Abgerundet wird dies durch einige Übungsaufgaben, die natürlich bei keinem Lehrbuch fehlen dürfen.

Fazit: Garri Kasparows Buch „Schachmatt“ hat durchaus das Zeug zu einem guten Einsteigerbuch und dabei ist es eigentlich nebensächlich, ob es wirklich aus seiner Feder stammt oder nicht. Der Leser kauft mit vorliegendem Buch auf jeden Fall eine gute Qualität und wer fragt da noch nach der tatsächlichen Herkunft?

Übrigens, die englische Ausgabe, welche mir allerdings nicht vorlag, ist schon für 10 € zu haben.

 

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