Helmut Pfleger,
Schach Knockouts –
120 Aufgaben mit
überraschenden Lösungen
aus „Die Zeit“,
Band 69 der Reihe
Praxis Schach,
Edition Olms,
128 Seiten,
paperback, 15.00€

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Uwe Kersten

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

SCHACHUNTERHALTUNG MIT GEHOBENEM ANSPRUCH

Helmut Pfleger dürfte zu den bekanntesten Schachpersönlichkeiten in Deutschland zählen. Weniger wegen seiner sportlichen Erfolge, denn die schachlichen Höchstleistungen des Internationalen Großmeisters liegen schon einige Zeit zurück. Vielmehr ist es seine Medienpräsenz und hier vor allem sein Auftreten in den Dritten Fernsehprogrammen mit diversen Schachsendungen, welche für seine Popularität verantwortlich zeichnen. Kaum weniger bekannt dürfte seine schon viele Jahre in Die Zeit erscheinende Schachecke sein. Das vorliegende Buch ist eine Zusammenstellung von 120 Beiträgen aus der Zeit von Ende 2001 bis Ende 2004. Wie meine Recherche ergab, ist das vorliegende Werk bereits die vierte Zusammenstellung dieser Art. Die Titel der Vorläufer sind:„Taktik und Witz im Schach“, „Schwupps, da war der Bauer weg“ und „ Schachpuzzle-Buch“, wobei mir diese Exemplare leider nicht vorliegen, aber ganz ähnlich aufgebaut sein dürften.

Der Titel unserer aktuellen Ausgabe, Schach Knockouts, ist nach meiner Meinung eher ein wenig irreführend. Zwar enthält jeder der 120 Artikel eine zumeist am Ende platzierte Schachaufgabe, aber der Schwerpunkt liegt ohne Zweifel auf der dazugehörigen Geschichte. Und hier weiß der Autor wahrlich zu brillieren. Pfleger lässt den Leser auf unterhaltsame Art an seinem schier unerschöpflichen Fundus schachgeschichtlichen Wissens teilhaben. Er kommentiert sowohl aktuelle Themen, wie z.B. Geschehnisse der aktuellen Schachpolitik oder er ruft erinnerungswürdige Begebenheiten vergangener Tage ins Blickfeld zurück. Dabei nutzt Pfleger das gesamte Panorama der Schachszene, wie ein Blick auf die teils sehr originellen Artikelüberschriften zeigt: "Verschwender des Geistes", "Bobby Fischer - das Phantom", "Kneipenschach, Madonna am Schachbrett", "Politiker am Schachbrett", "Veni, non vidi, vici", "Ernst Bloch: Statt Mühle Schach", "Künstler im Cafe de la Regence", "Vitali Klitschko kiebitzt und blitzt", "Schadows Schachclub", "Kramnik würdigt Leko".

Resümee: „Der geschichtlich interessierte Schachfreund darf sich auf Leckerbissen freuen“, verspricht das Vorwort von Autor Helmut Pfleger und Bearbeiter Rudolf Teschner und ich denke, die meisten Leser werden nicht enttäuscht sein. Pflegers kurzweilige Erzählungen sind sowohl unterhaltsam wie informativ. Der Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Schachaufgabe ist höchst unterschiedlich und reicht von Standardwendungen bis zu komplizierten Studien, so dass für jeden mal was dabei ist. In meinen Augen ist „Schach Knockouts“ eine ideale „zu Bett geh Lektüre“, aber nicht nur. Die größte Gefahr liegt wohl darin, dass Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, so habe ich im Rahmen dieser Rezension mal eben das halbe Buch durchgelesen – ich empfehle dieses schöne Werk zum Kauf, übernehme aber keine Verantwortung für zeitraubende Nebenwirkungen!

 

 

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