Christian Kongsted,
Beat the Grandmasters,
Gambit Verlag 2005,
paperback, 176 Seiten,
Preis 22.95 €

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Uwe Kersten

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

TAKTISCHES ARBEITSBUCH
OHNE WIRKLICH NEUES

Christian Kongsteds Beat the Grandmaster


Der dänische Autor Christian Kongsted ist mit einer Elo von ca. 2200 eher ein schachliches Leichtgewicht unter den Schachbuchautoren. Dies ist aber beim vorliegenden Werk kein wesentlicher Nachteil, denn hinter dem Titel Beat the Grandmasters verbirgt sich (lediglich) eine Sammlung von 351 Schachaufgaben. Natürlich sind derartige Taktikbücher nichts Neues unter der Sonne und vermutlich hat jeder Schachfreund schon eines oder mehrere – gelesen oder ungelesen – im Bücherschrank stehen. Entsprechend war ich gespannt, wie der Autor gerade sein Werk anpreisen würde, um aus der schon vorhandenen Masse herauszuragen.

„Stellen sie sich vor, sie befinden sich im Turniersaal und sitzen am Brett einem Großmeister gegenüber. Sie sind am Zug. Sie werfen einen prüfenden Blick auf ihren Gegner, um herauszufinden, was er wohl über die Stellung denkt und sie stellen fest, dass er ruhig und zufrieden auf das Brett schaut. Sie konzentrieren sich wieder auf die Partie und mustern dann erneut ihren Gegner. Plötzlich verändert sich sein Gesichtsausdruck. Er starrt nun angespannt auf das Brett und macht einen nervösen Eindruck. Ihr Gegner weicht dem Blickkontakt schnell aus. Dies kann ihre Chance sein. Ihr Gegner hat etwas gesehen, aber sie müssen herausfinden, was es ist!“
(Freie Übersetzung vom Rezensenten)

Mit diesen einleitenden Worten versucht der Autor den Leser in die richtige Stimmung zu bringen, um die folgenden Herausforderungen zu meistern. Dies ist sicherlich ein netter Versuch, den Leser zu motivieren. Allerdings kann ich mir mit ein wenig Fantasie bei jeder Schachaufgabe – auch aus anderen Büchern oder Zeitschriften - diese Situation entsprechend ausmalen und bedarf nicht unbedingt der Stimulation durch das vorliegende Werk. Inhaltlich gliedert sich das Buch wie folgt:

004 Symbols
005 Introduction
008 1 Beat the Masters
022 Solutions for Beat the Masters
031 2 The Master Challenge - Test Yourself
035 Solutions for The Master Challenge
038 3 Beat the Grandmasters
074 Solutions for Beat the Grandmasters
097 4 The Grandmaster Challenge
125 Solutions for The Grandmaster Challenge
149 5 The Final Challenge
160 Solutions for The Final challenge
173 Index of Players

Jedes Kapitel beinhaltet eine Sammlung von Taktikaufgaben, wobei der Schwierigkeitsgrad sowohl innerhalb der Kapitel als auch mit jedem weiteren Kapitel ansteigt. Die Kapitel 1 und 3 dienen der Vorbereitung auf die folgenden Tests, welche sich in den Abschnitten 2, 4 und 5 befinden. Beim Lösen der Tests kann der Leser für richtige Antworten – richtiger Lösungszug plus korrekte Variantenangabe – Punkte sammeln, bei falschen Vorschlägen aber auch Punkte abgezogen bekommen. Das Gesamtergebnis eines Tests kann dann mit einer vom Autor erstellten Tabelle verglichen werden, die der Punktezahl eine entsprechende Elo-Zahl zuordnet. Allerdings weist Kongstedt wohl mit Recht darauf hin, dass das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen ist.

Bei einigen Aufgaben gibt es zu den Diagrammen kleinere Texte mit Hinweisen, aber bei der überwiegenden Anzahl beschränkt sich die Information auf die Angabe des Zugrechts. Die zu bearbeitenden Stellungen sind weder nach Thema noch nach Motiv geordnet, was den Schwierigkeitsgrad erhöht. Bei der Zusammenstellung von Taktikaufgaben ist natürlich die Versuchung groß, auf alte Quellen zurückzugreifen und schon publiziertes im neue Gewand zu präsentieren. Nach einer kleinen Auszählung kam ich auf 197 (56%) Aufgaben, welche im Jahr 2000 oder später gespielt wurden und 154 Stellungen (44%) aus den Jahren davor. Ob dies genug neues Material ist, mag jeder für sich entscheiden. Die Lösungen sind knapp aber ausreichend kommentiert.

Resümee: Christian Kongsted präsentiert ein taktisches Arbeitsbuch, ohne allerdings etwas wirklich Neues zu schaffen. Wer seine kombinatorische Schlagfertigkeit trainieren oder sich in Variantenberechnung üben will, wird gut bedient, auch wenn er mit einigen Dubletten rechnen muss. Das Konzept mit den Tests und die Punkteumrechnung in Elozahlen ist auch keine wirklich neue Erfindung, wer aber Gefallen an diesen Zahlenspielereien findet, der hat zumindest eine gewisse Erfolgskontrolle. Inhaltliche Auflockerungen wie kleine Geschichten oder Anekdoten – gut in Erinnerung sind mir da die alten Werke von Kurt Richter oder auch „Eine Reise über das Schachbrett“ von Klaus Trautmann – sucht man dagegen bei Kongstedt vergeblich. Es bleibt ein handwerklich solides Arbeitsbuch, allerdings ohne den Charme des Besonderen.

Noch ein letzter Tipp: Auch bekannte deutsche Schachhändler scheinen dem ja noch recht neuen Buch keine große Zukunft einzuräumen und bieten es in ihren Onlineshops bereits unter 14,- Euro an.

 

ZUR KOLUMNENSEITE

ZUR AKTUELLEN AUSGABE