Starting Out:
The Queen's Indian;
John Emms,
Everyman Chess 2004;
160 Seiten, kartoniert
20,35 Euro


Das Belegexemplar
wurde uns freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne wird etwa alle ein bis drei Wochen aktualisiert und präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

DAMENINDISCH DIDAKTISCH

Damenindisch wird von Spielern bevorzugt, die schon zu Beginn der Partie einen unausgeglichenen Kampf suchen, jedoch auf solider positioneller Grundlage.

John Emms, bekannt vor allem durch sein hervorragendes Eröffnungsbuch play the open games, hat nun im englischen Verlag Everyman Chess Starting Out: The Queens Indian vorgelegt. Der Band ist hauptsächlich gedacht für Anfänger sowie Neulinge in der Damenindischen Verteidigung, die keine oder nur sehr wenig Erfahrung mit dieser Eröffnung haben. Emms nimmt dabei die Sichtweise des Schwarzen ein, für den anhand von vollständigen Partien ein komplettes Damenindisch-Repertoire vorgestellt wird, meistens mit mehreren Wahlmöglichkeiten.

Der Inhalt:
Nach einer kurzen Einführung widmet sich Emms der Reihe nach allen wichtigen Hauptvarianten

4. g3 Lb7
4. g3 La6
Varianten, in denen Weiss Sc3, Lg5 oder Lf4 spielt
Petrosjan System 4.a3 Lb7 5.Sc3
Petrosjan System 4.a3 c5 und 4. ... La6
4. e3

Nach bewährter Everyman Chess - Manier werden in jedem Kapitel in einer kurzen theoretischen Abhandlung zunächst die Hauptabspiele kurz vorgestellt. Es folgen ein Abschnitt "Theoretical?", in dem Emms einen Eindruck über die benötigte häusliche Vorbereitung gibt, sowie der Abschnitt "Statistics", in dem man etwas über seine Erfolgsaussichten erfährt.Danach kommentiert Emms jeweils vollständige Partien zum Thema.

Der Band wird abgeschlossen mit einem Kapitel über Zugumstellungen sowie Variantenindex und Verzeichnis der kompletten Partien.

Bezüglich der Partienauswahl gibt John Emms freimütig zu, mehr Wert auf Unterhaltsamkeit und Didaktik, denn auf Qualität oder theoretischer Bedeutung der Partien gelegt zu haben. Dadurch finden sich leider einige Partien, die durch grobe Fehler entschieden werden. Der hohe Anteil von Schwarzsiegen ist von Emms so gewollt und vermittelt einige Begeisterung für die Eröffnung. Man möchte gleich selbst Damenindisch spielen! Der Autor versucht jedoch, objektiv zu bleiben und auf Verbesserungen für beide Seiten hinzuweisen.

Emms schreibt in einem unterhaltsamen und einfachen Stil, der auch für Leser mit geringeren Englisch-Kenntnissen geeignet ist. Mir gefällt bei seinen theoretischen Abhandlungen sehr gut, dass er stets versucht, die grundsätzlichen strategischen Ideen herauszuarbeiten. Hier hebt er sich positiv von vielen telefonbuchartigen Eröffnungsbüchern ab, in denen man vor lauter Varianten die Ideen nicht sieht. Z.B engagiert sich Emms mehrfach, dem Leser die Unterschiede zum Vorgehen im abgelehnten Damengambit verständlich zu machen: Oft rät er Schwarz beim Kampf um das Feld e4 von d7-d5 (der Damengamit-Methode) ab, zugunsten von f7-f5 (dem typischen Damenindisch-Zug).

Das Material der insgesamt 45 vollständig kommentierten Partien ist aktuell - die neuesten Partien stammen aus 2004 - und reicht sicherlich aus, um mit Damenindisch im Turnier anzufangen. Fortgeschrittene oder solche, die tiefer in den Variantendschungel eindringen wollen, werden aber früher oder später nicht drum herumkommen, eine Datenbank oder zusätzliches Partienmaterial zu Rate zu ziehen. Hinweise auf die aktuelle theoretische Diskussion finden sich leider selten. Angenehm ist dagegen, dass Emms auch das System 4.Sc3 Lb4 behandelt. Dadurch bekommen auch diejenigen ein vollständiges Damenindisch-Repertoire geliefert, die nach 3.Sc3 lieber nicht Nimzoindisch riskieren wollen.

Sehr gut gefällt mir die Idee, ein eigenes Kapitel zu Zugumstellungen und Übergänge in verwandte Eröffnungen einzufügen.
Insgesamt ein gelungenes Werk von John Emms, das seinem Zweck gerecht wird.

 

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