LIEBE LESER,

der Schwerpunkt dieses Hefts widmet sich der einteiligen Bundesliga. Sie geht in der nächsten Saison in ihr zweiundzwanzigstes Jahr und gilt als die stärkste Liga der Welt. Seit etwa einem Jahr hat sie einen weitgehend autonomen Status, den ihr der DSB zugestanden hat. Er gilt zunächst für drei Jahre und kann wieder zurückgenommen werden, wenn sich die Vereine als nicht handlungsfähig erweisen. Nicht viel Zeit, wenn man bedenkt, welche Reformen anstehen. So will sich der Ligaausschuss u.a. auf eine verbindliche Ausländerreglung und auf einen neuen Spielmodus verständigen. Zudem soll die Vermarktung des Produktes „Bundesliga“ vorangetrieben und professionalisiert werden. Ein erster Ansatz dazu ist das mit der nächsten Saison eröffnete Internetportal (www.schachbundesliga.de). Ob allerdings alle Wünsche in Erfüllung gehen, sei dahin gestellt. Für dieses Heft führte KARL Interviews mit den Verantwortlichen aller Bundesligavereine der kommenden Saison. Was sie zu sagen hatten, findet sich auf den Punkt gebracht im Heft auf den Seiten 40-41. In jedem Fall
zeichnen sich harte Verhandlungen ab. Es scheint schwierig, mit einer Stimme zu sprechen, zu konträr sind die einzelnen Positionen. Wer es genau wissen will, kann die Interviews auf unserer Homepage (www.karlonline.org) in voller Länge nachlesen.

Uns haben jedoch nicht nur die aktuellen Probleme interessiert. Zusammen mit Helmut Nöttger, dem Mann, der sich die Bundesliga ausdachte und jahrelang leitete, werfen wir einen Blick auf die Zeit, als die Liga noch in ihren Kinderschuhen
steckte.
Ein anderer, dessen sportliche Karriere eng mit der Bundesliga verbunden ist, begann Mitte der Achtziger Jahre mit seinem Klub Bayern München Geschichte zu schreiben. Gerald Hertneck, der heute bei Tegernsee spielt, spricht über seine Vereine, den Sponsor Heinrich Jellissen und Probleme, die die Liga schon immer hatte.
Auch KARL-Redakteur Johannes Fischer durfte zu Beginn dabei sein: spielte er doch in der Saison 81/82 mit seinem alternativ angehauchten Verein SK Johanneum Eppendorf in der obersten deutschen Spielklasse. Der stimmungsvolle Artikel beschreibt den Idealismus einer Amateurmannschaft in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs.

Wie die deutsche Superliga von außen wahrgenommen wird, erfährt man von Joel Lautier, der Grüße aus Paris schickt. Er stellt die französische Liga und den NAO Chess Club vor, und kann dem deutschen Schach so vielleicht den einen oder
anderen Anstoß geben.
Im Porträt erläutert der in Moskau geborene, mehrfache WM-Kandidat und langjährige Bundesliga-Profi Artur Jussupow, was es braucht, um im Schach Erfolg zu haben. Und der ebenfalls aus Russland stammende Großmeister Michal Krassenkow verrät, was seine Lieblingspartie ist. Er wird nächstes Saison für den SC Baden Oos in der Bundesliga spielen.

Apropos Baden Oos: Bereits im Vorfeld der kommenden Saison hat der Aufsteiger mit der spektakulären Neuverpflichtung von Viswanathan Anand auf sich aufmerksam gemacht; jetzt trauen einige dem Team gar den Titel zu. Stefan Löffler sprach mit Wolfgang Grenke, dem Sponsor des Vereins und der treibenden Kraft hinter dem sportlichen Aufstieg, über seine Ideen, aus Mittelbaden eine Schachhochburg zu machen.

Sei noch erwähnt, dass wir uns aus Platzgründen gegen die Auflistung der einzelnen Mannschaftsaufstellungen entschieden haben, die leicht über einschlägige Zeitschriften bzw. die Internetseite des DSB abrufbar sind.

Wir wollen am Ende nicht versäumen, uns bei Axel Weinreich, dem Chefredakteur des ersten Bundesligamagazins Schach heute, für die Erlaubnis zum Nachdruck des Bildmaterials zu bedanken.


Harry Schaack