EIN PALAST FÜR DAS SCHACH

Harry Schaack über einen Besuch des berühmten Zentralen Schachklubs in Moskau


(Der Artikel ist auszugsweise wiedergegeben. Den ganzen Text lesen Sie in KARL 2/12)

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(FOTO: © HARRY SCHAACK)

Das prächtige Haus mit der aufwendigen Fassade aus dem 19. Jahrhundert am Gogolewski Boulevard 14 hat für jeden Schachspieler etwas Magisches. Hier residiert der legendäre Zentrale Schachklub. An der Außenwand prangt seit 2011 eine Plakette von Botwinnik. Vishy Anand und Wladimir Kramnik enthüllten das Konterfei des Patriarchen des sowjetischen Schachs anlässlich seines 100sten Geburtstags .

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(FOTO: © HARRY SCHAACK)

Betritt man das Gebäude, begegnet man am Eingang den Ordnungshütern an der Rezeption, die meist nur Russisch sprechen. Hier gibt man seine Gardrobe ab. Ein schönes Treppenhaus führt nach oben, üppig mit Stuck ausgestattet, Karyatiden tragen die Decke und historische Schachfotos von Botwinnik schmücken die Wände. Im ersten Stock befinden sich der Großmeister- und der Tschigorin-Saal, die für Turniere genutzt werden, und Botwinniks Büro, dass er von 1988 bis zu seinem Tod 1995 fast täglich besuchte. Herrlicher Stuck und Lüster zieren die Decken. In einem weiteren Saal, der zu Empfängen genutzt wird, hängen die Porträts aller sowjetisch/russischen Weltmeister an den Wänden.

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(FOTO: © HARRY SCHAACK)

Das Gebäude gehört der Stadt. Der Russische Schachverband, der im zweiten Stock Quartier bezieht, bezahlt Miete, genau wie die Redaktion von Schachmagazin „64“ im dritten Stock. Es war schwer, dieses attraktive Gebäude für den Schachverband zu sichern. Ohne einen einflussreichen Mann wie Arkadi Dworkowitsch, Präsident des russischen Schachverbandes und Vize-Ministerpräsident im Kabinett Medwedews, wäre es längst verkauft worden. Schon einmal, in den Achtzigern, gerieten Schachklubs in die Krise. Mit Gorbatschows Perestroika verloren viele Vereine ihre Spiellokale, weil die Immobilien für Geschäftsleute interessant wurden. Viele Klubs mussten aus dem Zentrum an die Peripherie weichen oder lösten sich auf.

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(FOTO: © HARRY SCHAACK)

Der Zentrale Schachklub ist ein wunderbares Gebäude, das den Stellenwert des Schachs in der UdSSR widerspiegelt. Das Haus gehörte einer Baroness, bis es nach der Oktoberrevolution enteignet wurde. Danach wechselte die Nutzung. Zeitweise diente es politischen Flüchtlingen – darunter auch Marcus Wolf, der später den Auslandsnachrichtendienst der Stasi in der DDR leitete – als Unterkunft.

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(FOTO: © HARRY SCHAACK)

Am 18. August 1956 zog der Zentrale Schachklub in das Haus ein. Botwinnik war die treibende Kraft. Mit seiner enormen Reputation setzte er sich für das Haus ein. Fortan war es das Zentrum des sowjetischen Schachs und Schauplatz für Hängepartien der WM-Matches, Kandidatenmatches, Stadtkämpfe zwischen Moskau und Leningrad, Simultanveranstaltungen, Vorträge oder Beratungspartien. Im Großmeister-Saal blitzte der 15-jährige Bobby Fischer gegen Petrosjan, Geller und andere, als er 1958 die Sowjetunion besuchte. Im selben Jahr verlor Botwinnik hier seine abgebrochene 15. Partie im dritten Match gegen Smyslow in Gewinnstellung durch Zeitüberschreitung.


(Der Artikel ist auszugsweise wiedergegeben. Den ganzen Text lesen Sie in KARL 2/12)