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Joachim
Wintzer,
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von Joachim Wintzer
Valeri Bronznik: Die Tschigorin-Verteidigung BIBLIOGRAPHISCHE ANGABEN
ZU AUTOR UND VERLAG Wer
in den letzten Jahren gute Eröffnungsbücher kaufen wollte,
war meist auf fremdsprachige Literatur angewiesen. Sowohl Euwes Eröffnungsreihe
(Rattmann) als auch die Übersetzung russischer Theoriewerke ins
Deutsche (Sportverlag, Schmaus) sind veraltet. Von Rolf Schwarz ist
seit langer Zeit nichts mehr erschienen. Inzwischen gibt es mit dem Schachverlag Kania einen neuen Wettbewerber, der im Segment Eröffnungsbücher einige beachtliche Neuerscheinungen aufzuweisen hat. Der Verleger von Kania ist Harald Keilhack, der selbst eine Monographie über eine Eröffnung Die Tarrasch-Verteidigung verfasst hat. Valeri
Bronznik, der Autor des vorliegendes Buches, spielt wie sein Landsmann
und Teamkollege Golubev für Stuttgart in der Ersten Bundesliga.
Als IM mit einer Elo-Zahl von über 2400 und ZUR TSCHIGORIN-VERTEIDIGUNG Die Tschigorin-Verteidigung 1.d4 d5 2.c4 Sc6 gehört zu den als strategisch verdächtig geltenden Eröffnungen, weil Weiß den Schwarzspieler zur Aufgabe des Läuferpaares und zur Stärkung des weißen Bauernzentrums zwingen kann. Als Kompensation dafür erhält der Nachziehende ein gutes Figurenspiel. Beide Läufer können meist außerhalb der Bauernkette entwickelt werden. Und wie im Grünfeldindisch gibt das gegnerische Bauernzentrum auch Ansatzpunkte für Gegenspiel. Wenn Schwarz es allerdings nicht schafft, seinen Entwicklungsvorsprung in andere Vorteile zu transformieren, kommen im Mittel- und Endspiel die weißen strukturellen Vorteile zum Tragen. Wer einmal eine theoretische Untersuchung zu diesem Themen-komplex lesen möchte, dem seien die Kapitel "Chigorin and the Knight Pair The Traditional Case for Success" und "The Rest of the Story Chigorin usually lost with the Knight Pair" in Steve Mayers "Bishop versus Knight. The Verdict" (1997) empfohlen. In der Großmeisterpraxis ist die Tschigorin-Verteidigung ein seltener Gast. Smyslow wandte sie in den achtziger Jahren einige Male, darunter auch im Kandidatenwettkampf gegen Kasparow, an. Morosewitsch und insbesondere Miladinovic sind derzeit die Hauptvertreter der schwarzen Farben. GLIEDERUNG Bronznik hat sein Material auf die folgende Weise gegliedert:
Aus der Gliederung wird ersichtlich, dass Bronznik auch die weißen Spielweisen ohne 2.c4 abhandelt. Damit steht dem Schwarzspieler ein komplettes Repertoire gegen 1.d4 zur Verfügung. VORGÄNGER UND AKTUALITÄT Bronznik teilt zu Beginn mit, dass ihm IM John Watson sowie die FS-IM Jonathan Tait und Bernd Rädecker privates Partie- und Analysematerial überlassen haben. Er verwandte die üblichen Periodika (NIC und Informator) und Datenbanken (TWIC bis einschließlich 15.8.2001). Bei Eröffnungen wie der Tschigorin-Verteidigung ist es besonders wichtig, dass auch Fernpartien bei der Materialsuche berücksichtigt werden. Dies ist durch die Verwendung der entsprechenden Chessbase-Datenbank gegeben. Dagegen
werden überraschenderweise die Enzyklopädie und Darstellungen
über die Tschigorin-Verteidigung in Handbuchreihen - beispielsweise
der Band von Polugajewski aus dem Sportverlag - nicht im Quellenverzeichnis
genannt. Von den Vorgängern - Watson (1981) und (1998), Dunnington
(1996) und Breutigam PRÄSENTATION DES MATERIALS Die kurze Einführung erläutert kurz die unterschiedlichen schwarzen Verteidigungsmöglichkeiten nach 1.d4 d5 2.c4 und ist somit sehr allgemein gehalten. Bronznik hat sich für die Darstellung seines Untersuchungs-gegenstandes anhand der Analyse kompletter Partien entschieden. Die 110 Beispielpartien wurden durchweg in den letzten zwei Jahrzehnten gespielt. Namen wie Tschigorin, Tarrasch oder Schlechter tauchen im Spielerverzeichnis nicht auf. Morosewitsch, Miladinovic und Rädecker haben die meisten Einträge. Die
Präsentation von Beispielpartien hat den großen Vorteil,
dass typische Mittel- und Endspielstrukturen sowie die wichtigsten Pläne
erläutert werden können. Der Autor nimmt sich immer wieder
viel Zeit und Text, um den Leser die wichtigsten Stellungsmerkmale zu
erklären. Es ist anzunehmen, dass Bronznik seine Tätigkeit
als DSB-Trainer zugute gekommen ist. Er schreibt nicht nur für
Großmeister. Von den Eröffnungsbüchern, die der Rezensent
bisher mit dieser Darstellungsweise Auch hinsichtlich der Qualität der Analysen und der Anzahl eigener Verbesserungsvorschläge ist der Autor zu loben. Heutzutage sollte es für einen Spieler mit IM-Stärke und Computerunterstützung kein großes Problem sein, Neuland zu entdecken. An vielen Stellen ist zu bemerken, dass sich der Autor nicht mit den bekannten Urteilen zufriedengab, sondern versuchte, die Theorie weiterzuentwickeln. Hilfreich wäre eine Gesamtbewertung jedes Abspiels zu Beginn oder Ende eines Kapitels gewesen, in welcher der derzeitige Stand der Theorie kurz zusammengefasst wird. STAND DER THEORIE Um
die neuesten Entwicklungen in der Tschigorin-Verteidigung seit dem Erscheinen
des Buches kennenzulernen, habe ich im Internet Chess Club die zuletzt
von Miladinovic gespielten Partien angesehen. Diese Partien bestätigten
die Einschätzung, dass als aussichtsreichste weiße Fortsetzungen
nach wie vor die nach In der Variante 1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.cd: Dd5: 4.Sf3 e5 5.Sc3 Lb4 6.Ld2 Lc3: 7.Lc3: e4 8.Se5
untersucht
Bronznik auf Seite 190 nur das Bauernopfer 8...e3 und 8...Se5:, beides
Fortsetzungen die Weiß nicht fürchten muss.
Das Abspiel 1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.e3 e5 4.cd Dd5: 5.Sc3 Lb4 6.Ld2 Lc3: 7.bc Sf6 8.f3 00 9.e4 Dd6 10.d5 Se7 11.c4 b6 12.Se2 Sd7 13.Sc3
behandelt
Bronznik aus Seite 225ff. Er folgt im Haupttext der Partie Dautow -
Miladinovic, Erewan 1996. Dort geschah weiter 13...a6. Bronznik
erwähnt die Alternative 13...Sc5 "ohne Furcht vor 14.Sb5
14...Dd8 15.Le3 f5 mit Gegenspiel", die Miladinovic gegen Ubiyca
erprobte: 14.Le2 f5 15.ef Sf5: 16.00 Sd4 17.Le3 Se2:+ 18.De2:
Lf5 19.Kh1 Dg6! Und dank der Schwäche des Feldes d3 hatte Schwarz
genügendes Gegenspiel. Es folgte weiter 20.Lxc5 Ld3 21.Dxe5
Lxf1 22.Txf1 bxc5 23.Se4 Tae8 24.Da1 h5 25.h3 Da6 26.Tc1 Da3 27.Tc3
Db4 28.a3 Da5 29.Dc1 Tf5 30.Tb3 Da4 31.Dc3 Dd7 32.Tb1 De7 33.Da5
Ein anderer Stellungstyp entsteht, wenn Weiß das Zentrum zuerst abschließt, um seine Entwicklung nachzuholen und erst dann auf die Kraft des Läuferpaares zu vertrauen. Miladinovic demonstrierte nach 1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.e3 e5 4.cd Dd5: 5.Sc3 Lb4 6.Ld2 Lc3: 7.bc Sf6 8.f3 e4 9.f4 eine neue Idee.
Bronznik analysiert die beiden zum Ausgleich führenden Züge 9...0-0 und Sa5. Mittels 9...h5 bereitete sich Schwarz darauf vor, dem nach g3 strebenden Springer gleich wieder einen Tritt zu verpassen: 10.c4 Dd6 11.Se2 a5 12.d5 Sb4 13.Sd4 Ld7 14.Db3 c5 15.dxc6 bxc6 16.Le2 c5 17.Sb5 Lxb5 18.cxb5 Sd3+ 19.Lxd3 exd3 20.00 00 21.Tad1 Tfe8 22.a4 Te4 23.h3 c4 24.Db2 Sd5 25.Tf3 Tc8 26.Tc1 f6 27.g4 h4 28.Kf2 c3 29.Txc3 Sxc3 30.Lxc3 Tec4 31.Ld4 Tc2+ 0-1 Fidget- Miladinovic / ICC 3 0 2002
FAZIT Bronzniks Erstlingswerk genügt höchsten Ansprüchen. Sowohl was die Präsentation des Materials und die kritische Prüfung bekannter Fortsetzungen betrifft, kann "Die Tschigorin-Verteidigung" mit den derzeit den Standard setzenden Eröffnungsmonographien von Gambit mithalten zumal er für denselben Preis ein Buch mit Hardcover erhält.. Wer die Tschigorin-Verteidigung mit Schwarz spielt, wird dieses Buch wahrscheinlich schon besitzen. Der Schwarzspieler, der eine komplette Verteidigung gegen 1.d4 sucht, findet in diesem Buch genügend Rüstzeug für eine erfolgreiche Umsetzung in die Praxis. Aufgrund der ausführlichen Texterklärungen kann das Buch bereits ab einer Spielstärke von 1600 DWZ mit Gewinn studiert werden.
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