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Mihail Marin
The English Opening -
Volume 1
1.c4 e5
480 Seiten,
Paperback,
1. Auflage 2009,
24,99 €

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

EIN TIEFGRÜNDIGES REPERTOIRE-BUCH


Mihail Marin hat sich in den letzten Jahren zu einem Schachautor mit beinahe schon Star-Status entwickelt. Sein Learn from the Legends wurde preisgekrönt, während seine Artikel in Schachzeitschriften viel Lob ernten. Auch seine beiden Eröffnungsbücher, A Spanisch Opening Repertoire for Black und Beating the Open Games, erhielten durchweg sehr positive Kritiken. Meist aufgrund ihres besonderen Tiefgangs. Marin macht auch in seinen Eröffnungsbüchern nicht im frühen Mittelspiel halt, sondern versucht, dem Leser alle Partiephasen des gewählten Eröffnungskomplexes nahezubringen.

Die gleiche Einstellung kennzeichnet auch sein neues Repertoire-Buch The English Opening - Volume 1. Marin stellt ein vollständiges Eröffnungssystem für Weiß vor. Im ersten Band analysiert er 1.c4 e5, im zweiten sollen dann alle anderen Antworten von Schwarz behandelt werden.

Ähnlich wie die anderen Werke aus der "Grandmaster Repertoire"- Serie besticht auch dieses durch eine beeindruckende Materialfülle. Auf fast 500 relativ eng bedruckten Seiten werden zahlreiche Abspiele sehr tief analysiert. Dabei gelingt es dem Quality Chess Verlag, die Datenmange übersichtlich zu präsentieren. Jedem Kapitel ist ein Varianten-Index vorangestellt, sodass gesuchte Zugfolgen schnell gefunden werden.

Der Autor beschreibt in der Einführung, dass er an dem vorgestellten Repertoire viele Jahre gearbeitet und es in der Praxis ausführlich getestet hat. Dies wird auch deutlich an zahlreichen eigenen Partien im Text.

Marin hat jedem der fünf Hauptsysteme eine Einführung vorangestellt, in der er typische Strukturen und Pläne für beide Partein erläutert, aber auch im eigentlichen Variantenbaum finden sich viele gut verständliche Erklärungen. Gelegentlich kommentiert Marin Partien auch vollständig. Dabei kann das Hauptaugenmerk der Analysen und Erklärungen durchaus im Mittel- oder Endspiel liegen. Z.B. nimmt seine Partie gegen Anna Zozulia, Porto Mannu 2009, die Seiten 33-37 in Anspruch. Mehr als die Hälfte der Erläuterungen beziehen sich dabei auf das Endspiel, das im 23. Zug erreicht wurde.

Die vom Autor ausgewählten Systeme und der Stil seiner Erklärungen sind auch für Amateure und Vereinsspieler gut geeignet. Es ist dabei beileibe nicht notwendig, die angebotenen Varianten zu memorieren; das erworbene Verständnis wird sich in der Praxis auszahlen.
Wer über kein solides Schulenglisch verfügt, sollte die bereits angekündigte Übersetzung ins Deutsche abwarten.

Viele der abgedruckten Beispiele sind sehr aktuell.
Dass Marin zahlreiche eigene Analysen vorlegt, oft sehr kreativ und durchaus mit einem guten Maß an Schärfe, rundet den Band ab.

Fazit
Ein sehr gutes Schachbuch, das weit über die typischen Grenzen von Repertoire-Büchern hinausgeht.
Sehr empfehlenswert für alle, die sich für die englische Eröffnung interessieren und viel gutes Schach geboten bekommen wollen.


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