Lars Schandorff
Playing the
Queen's Gambit -
A Grandmaster Guide
Quality Chess,
1. Auflage 2009,
Paperback, Englisch,
248 Seiten, € 23,99

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

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EMPFEHLENSWERT FÜR RISIKOBEREITE ANGRIFFSSPIELER
Lars Schandorffs Playing the Queen's Gambit


Mit Lars Schandorff konnte der Quality Chess Verlag nach Boris Avrukh einen weiteren Großmeister für einen Eröffnungsband gewinnen. Obwohl der Däne, genau wie Avrukh in Grandmaster Repertoire 1. d4, Volume One, sein Repertoire anhand von theoretischen Hauptvarianten zusammengestellt hat, und obwohl es um denselben Themenkomplex geht, ist letztlich ein recht unterschiedliches Buch dabei herausgekommen.

Auch Schandorff verfolgt den Ansatz, sein Eröffnungsrepertoire auf der Basis der in der Großmeisterpraxis seit Jahrzehnten ausgiebig erprobten Hauptsysteme aufzubauen. Im Gegensatz zu Avrukh macht er dabei allerdings nicht vor sehr theoretischen und zweischneidigen Abspielen halt. Insbesondere die Botwinnik-Variante sowie das Anti-Moskauer Gambit werden oft als für Amateure zu theorielastig verworfen. Der Autor scheint jedoch den Standpunkt zu vertreten, dass diese angriffslustigen Eröffnungen nicht nur bei Großmeistern für schöne und erfolgreiche Partien gut sind. Wer etwas Wagemut mitbringt und gerne einen Bauern für Initiative opfert, kann sich dieser Sichtweise getrost anschließen. Mit etwas Zeitaufwand muss man sich nicht von einem angedrohten Bauernraub einschüchtern lassen.

Der Band gliedert sich im wesentlichen wie folgt:

  • 1 Queen's Gambit Declined                            11
        1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 (3.- Le7) 4.cxd5
  • 2 Queen's Gambit Accepted                            39
        1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e4
  • 3 The Slav                            71
        1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5
  • 4 The Semi-Slav                            111
        1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 -
            Botwinnik-Variante     5.- dxc4
            Anti-Moskauer Gambit    5.- h6 6.Lh4
            Cambridge Springs    5.- Sbd7 6.e3 Da5
            Abgelehntes Damengambit    5.- Le7
  • 5 The a6-Slav                            163
        1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 a6 5.c5
  • 6 The Tarrasch                            181
        1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5
  • 7 The Chigorin                            205
        1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 dxc4 5.Lg5
  • Minor Lines                            219

Im Unterschied zu Boris Avrukh analysiert Schandorff vollständige Partien. Seine Kommentare sind aber ebenfalls eher knapp und prägnant. Lediglich bei wenigen Kapiteln erläutert er zugrunde liegende Strukturen und beiderseitige Pläne ausführlich in einer dem Theorie-Teil vorangestellten Einführung. Er schreibt im gesamten Text stets erfrischend unterhaltsam.

Der wichtigste Unterschied zum Band von Avrukh ist jedoch der Umfang. Während Avrukh ein Überangebot an Studienmaterial präsentiert, beschränkt sich Schandorff auf das, was ein Turnierspieler für den Einsatz in der Praxis braucht. Hier zeigt der Autor ein sehr gutes Gespür für das notwendige und traut sich, nicht jede scheinbar unverzichtbare Zugmöglichkeit zu untersuchen. Turnierspieler, die sich eines der angebotenen Systeme neu aneignen, können und sollten jeweils die vollständigen Kapitel lesen.

Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn gegen Botwinnik-Variante und Anti-Moskauer Gambit zusätzlich eine der weniger verpflichtenden Nebenvarianten als Alternative zur Verfügung stünden. Dies hätte den Band nur geringfügig dicker gemacht. Man ist schließlich nicht immer und überall bereit für riskantes Opferspiel.

Bei der Auswahl des Materials hat Schandorff auch Fernschach-Partien berücksichtigt. Die Qualität seiner Analysen ist hoch; bei einigen Stichproben sind lediglich vereinzelt zweitklassige Züge aufgefallen. Auch Schandorff betreibt, ähnlich wie Avrukh, bei wichtigen Hauptabspielen einigen Aufwand, um neue Ideen für beide Seiten zu finden.


Fazit
Insgesamt ein sehr gutes Weiß-Repertoire nach 1.d4 d5 2.c4 für angriffsfreudige Turnierspieler.
Da der Verlag darauf geachtet hat, dass sich das vorliegende und das Buch von Avrukh dort, wo es möglich ist, ergänzen, können auch einige Systeme aus beiden Bänden miteinander kombiniert werden.

 

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