Play The Semi-Slav
David Vigorito
Quality Chess, 2008,
Paperback, 277 S.,
24,99 €

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

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Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

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GRÜNDLICHES REPERTOIREBUCH

 

Inhaltsverzeichnis:

  • 12 Part I - The Moscow Variation
    1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 e6 5.Bg5 h6
  • 61 Part II - The Botvinnik Variation
    1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 e6 5.Bg5 dxc4
  • 115 Part III - The Meran Variation
    1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 e6 5.e3 Nbd7 6.Bd3 dxc4 7.Bxc4 b5
  • 169 Part IV - The 6.Qc2 Variation
    1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 e6 5.e3 Nbd7 6.Qc2 Bd6
  • 209 Part V - White Avoids the Main Lines
  • 15 Kapitel
  • 50 Haupt-Partien

Der amerikanische IM David Vigorito, der sich mit seinem ersten Buch Challenging The Nimzo Indian einen Namen gemacht hat, legt nun mit Play The Semi Slav seinen zweiten Eröffnungsband vor. Im Gegensatz zum ersten, in dem er alle Nimzo-Indisch-Varianten nach 4.Dc2 ausführlich analysiert, handelt es sich hier um ein Repertoire-Buch für Schwarz.

Bei der Auswahl der Varianten hat sich Vigorito an der Schach-Elite orientiert. Fast alle Top-Spieler haben Halb-Slawisch ständig in ihrem Eröffnungs-Repertoire. Vigorito erläutert zuweilen recht ausführlich die Gründe, die ihn zur Wahl der einen oder anderen Zugfolge bewegt haben. Z.B. bevorzugt er die Zugfolge 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4. Sc3 e6 gegenüber 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 c6, was zu derselben Stellung führt, und auch oft von vielen starken Großmeistern gespielt wird. Ihm gefällt aber nicht, dass Weiß in der zweiten Zugfolge im dritten oder vierten Zug auch zu Katalanisch greifen könnte. Das mag zwar Geschmacksache sein, aber immerhin wird klar, was er sich gedacht hat.

Der Autor bietet sehr oft die Auswahl zwischen mindestens zwei Repertoire-Varianten an. Wo es möglich ist, kann der Leser zwischen einer schärferen und einer eher ruhigen Variante wählen. Ausserdem benennt Vigorito auch regelmäßig Abweichungen, die nicht zu seinem Repertoire gehören, mit einem Hinweis auf den theoretischen Status, und gelegentlich auch das Hauptabspiel.

Die vorgestellten Systeme bieten beiden Seiten eine große Flexibilität bei der Gestaltung des Mittelspiels. Es können sich viele verschiedene Standard-Strukturen ergeben, deren Verständnis meist wertvoller ist, als die Kenntnis der einen oder anderen theoretischen Zugfolge.

Insgesamt ist die Auswahl der Varianten sehr gut, die Systeme haben eine gute theoretische Reputation. Der Leser erhält die Möglichkeit, sich ein solides und flexibles Repertoire zu erarbeiten. Allerdings verfügt Weiß in allen Systemen über forcierte Angriffsmöglichkeiten. "Theoriemuffel", die sich gerne an einfache Eröffnungs-Schemata ohne lange Theorie-Varianten halten, werden mit diesem Repertoire nicht glücklich sein. Der Band ist eher etwas für diejenigen, die bereit sind, an ihren Eröffnungen zu arbeiten. Hier bietet das Buch eine sehr gute Grundlage für eigene Analysen.

Das Material präsentiert Vigorito anhand von 50 ausführlich kommentierten Partien, die bis zum Ende gut erläutert werden. In der Eröffnungsphase sind jeweils noch zahlreiche weitere Partiefragmente eingeschoben. Vigorito hat es gut mit uns gemeint: Er versorgt uns mit einer Fülle an interessanten Partien und eigenen Analysen. Definitiv genug für den Einsatz in der Turnierpraxis, auch bei den theorie-lastigen Systemen. Die Darstellungsform ist meist gut gelungen, bis auf einige wenige Stellen, an denen sich der Leser durch ein Variantendickicht der Art "b12212" kämpfen muss. Hier gibt es Verbesserungsbedarf für die zweite Auflage.

Fazit:
Ein gutes und gründliches Buch, über das sich Anhänger taktisch orientierten Eröffnungsspiels sehr freuen werden. Vigorito erklärt ein solides und flexibles Repertoire, mit dem der Leser sein Verständnis zahlreicher Standard-Strukturen vertiefen kann. Wer es gerne etwas ruhiger oder weniger theoretisch angehen lässt, muss sich anderweitig umsehen.

 

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