John Emms,
The Survival Guide
to Competitve Chess,

Everyman Chess 2007,
160 Seiten,
Sprache: Englisch,
Euro 23,40

Efstratios Grivas,
Modern Chess Planning,
Gambit 2007,
143 Seiten,
Sprache: Englisch,
Euro 23,45

Steve Giddins,
50 grundlegende Schachlektionen, Gambit 2007,
173 Seiten,

Deutsch von Bettina Trabert,
Euro 23,45

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Frank Roeberg

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Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

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ORIGINALITÄT AUF DEM SCHACHBUCHMARKT?!

Als ich anfing Schach zu spielen, war der Schachbuchmarkt noch wüst und leer. Eine Sizilianisch Anthologie von Ludek Pachman gehörte zu meinen größten Schätzen und Computer gab es nicht für den Hausgebrauch. Heutzutage fallen die Ratgeber für den wissenshungrigen Adepten des königlichen Spiels förmlich aus der Druckerpresse, doch zuweilen gewinnt man den Eindruck, dass die Lage für den Leser dadurch eher schwieriger geworden ist. So freue ich mich besonders, an dieser Stelle drei Werke vorstellen zu dürfen, die nicht nur eine ordentliche Qualität aufweisen, sondern auch in ihrer Eigenart überzeugen können.


I. John Emms, The Survival Guide to Competitve Chess

Erinnert ihr euch noch an Simon Webbs Schach für Tiger?. Haben wir dieses Buch nicht alle geliebt? Nun, John Emms bietet mit seinem Survival Guide gewissermaßen eine moderne Version dieses Werkes, auch wenn statt der lustigen Illustrationen leider nur sachliche Diagramme das Buch begleiten. In vier Großkapiteln behandelt Emms die Probleme bei der Eröffnungsvorbereitung, die Kontrolle der Uhr, die Handhabung von Remisangeboten und zuallererst die vielfältigen Fehlerquellen, welche in der „Hitze des Gefechts“ auf den aktiven Turnierschachspieler lauern. Dem erfahrenen Schachspieler wird dieser praktische Ratgeber gewiss viel Bekanntes präsentieren, aber manchmal sagt man sich wohl doch: „Ja! Genau so war es damals in meiner Partie gegen XY – darum habe ich verloren!

Sehr sympathisch war mir der Umstand, dass Emms viele eigene Misserfolge verarbeitet hat. Dadurch gewinnen seine Ansichten sehr an Überzeugungskraft. Wenn man des Englischen einigermaßen mächtig ist, kann man das Buch auch ohne Hinzuziehung eines Brettes lesen, da an den kritischen Stellen der Beispielpartien immer Diagramme angebracht sind. Der Nutzen der Lektüre besteht ohnehin nicht im Studium der Partien, sondern im Nachvollziehen der geschilderten Situationen.

Fazit: Sehr lesenswert, gut geeignet für emsige Turnierspieler gleich welcher Spielstärke.


II. Efstratios Grivas, Modern Chess Planning

Grivas präsentiert uns 75 Stellungen, in denen wir Entscheidungen über den richtigen Plan treffen müssen. Dabei bietet er uns zunächst eine kurze Stellungseinschätzung und dann drei Möglichkeiten, unter denen wir zu wählen haben. Dieser Aufbau macht das Buch für Spieler unterschiedlichster Ratingklassen interessant. Starke Spieler sollten die Stellungseinschätzung selbständig vornehmen und schon einmal nach einem Zug oder einem ganzen Plan Ausschau halten, bevor sie weiterlesen – dann erzielen sie auch einigen Trainingsprofit. Schwächere Spieler können einfach den Plan auswählen, der ihnen, wenn auch nicht ganz durchdacht, am besten erscheint, und erhalten so, wenn sie schließlich im Lösungsteil nachsehen, zumindest eine Überprüfung ihrer Intuition.

Zu Grivas stärksten Leistungen zähle ich, dass er zumeist tatsächlich drei plausible Lösungen anzubieten hat, deren Unzulänglichkeit erst einmal erkannt werden muss. Dabei wird er wohl durch den Umstand begünstigt, dass 50 der 75 Stellungen aus seiner eigenen Praxis stammen und er den Entscheidungsprozess somit schon einmal selbst durchlaufen hat. Daraus ergibt sich auch eine hohe Eindeutigkeit bei den Lösungen.

Nicht verschweigen will ich, dass sich Grivas nicht versagt hat, dem schönen Buch noch den obligaten Testcharakter zu verleihen und fleißig Punkte für richtige oder auch halbrichtige Lösungen verteilt. Nun ja – wer Spaß daran hat – ich hatte meinen Spaß auch so.

Fazit: Ein schön gestaltetes Buch, das gute Trainingspraxis vermittelt.


III. Steve Giddins, 50 grundlegende Schachlektionen

Der englische FIDE-Meister Steve Giddins hat mit dem vorliegenden Werk seinen Wunsch verwirklicht, eine instruktive Partiesammlung abzuliefern, die möglichst viele Aspekte der Schachstrategie behandelt und damit als Lehrbuch klassischer Prägung fungieren kann.

Der Versuch kann als durchaus gelungen bezeichnet werden und die Partieauswahl gehört zu den großen Stärken des Buches. Wer selbst häufiger Schachtraining gibt, kennt das Problem, aussagekräftige Beispielpartien zu bestimmten Strategiethemen zu finden, gewiss nur allzu gut. Die modernen Meister verlieren nicht gerne anschaulich und führen ihre Partien meist in sehr trübe Gewässer, wenn das droht. Somit sah sich Giddins gezwungen, einmal mehr das klassische Erbe zu beleihen.

Die Einteilung in die fünf Kapitel Königsangriff, Verteidigung, Figurenspiel, Bauernstruktur und Endspiel verleiht dem Werk eine gewisse Struktur, wenngleich damit nur eine sehr lose Einteilung vorgenommen wird. Vor jedem der Kapitel gibt der Autor aber noch eine kurze Übersicht, was den Leser erwarten wird, so dass man sich insgesamt ganz gut zurechtfinden kann. Lobenswert sind auch die kurzen Zusammenfassungen des Lerninhaltes am Ende jeder Partie. Die Kommentierung der Partien erfolgt weitgehend beschreibend und ohne Varianten. Es geht eben zumeist nicht um konkrete Berechnungen sondern um die Erläuterung der allgemeinen Aspekte in bestimmten Stellungen.

Fazit: Ein lesenswertes Buch für Vereinsspieler bis etwa 2100 und für Schachtrainer!

 

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