Schachunterricht,
Artur Jussupow,
Jussupow Schachakademie
Verlag 2006,
223 Seiten, 19,90 €

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Uwe Kersten

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

 

TRAININGSMATERIAL AUS DER RUSSISCHEN SCHACHSCHULE

Über Artur Jussupow und seine schachlichen Erfolge zu berichten, hieße Eulen nach Athen tragen. Aber auch seine bisherigen Veröffentlichungen als Autor und hier insbesondere seine zusammen mit Mark Dworetzki entstandenen Bücher, haben viel Anerkennung erfahren. Das vorliegende Werk ist eine Zusammenstellung mehrerer Lehrhefte, die zwischen 1999 und 2002 erschienen sind. Danach erfolgte zunächst eine Übersetzung ins Englische und die Veröffentlichung unter dem Titel Chess Lessons im Chessgate Verlag. Nun 2006 liegt also die deutsche Version mit dem Titel „Schachunterricht“ vor – sie ist im Eigenverlag erschienen.

Inhaltlich bietet Jussupow folgende Themen an:

1) Grundreihenkombinationen

2) Kandidatenzüge

3) Falscher Läufer

4) Abtausch

5) Freibauer im Mittelspiel

6) Doppelangriff

7) Ausschlussmethode

8) Zugzwang

9) Verbesserung der Figurenstellung

10) Figurenfang

Jedes Kapitel beginnt mit einer allgemeinen Einführung an Hand mehrerer kommentierter Partiebeispiele. Danach folgen jeweils um die 30 Übungsaufgaben, deren Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet ist. Anschließend kann man seine „Ideen“ im Lösungsteil überprüfen. Wer Freude an einer leistungsorientierten Erfolgskontrolle hat, kann sich für jede richtige Lösung Punkte in eine vorgegebene Tabelle eintragen und diese dann in DWZ umrechnen. Aber Jussupow merkt schon im Vorwort an, dass man dies nicht zu Ernst nehmen sollte und übernimmt keine Gewähr für die Ergebnisse.

Neben dem ansteigenden Schwierigkeitsgrad der Übungen, haben auch die einzelnen Kapitel von vorne herein ein unterschiedliches Niveau. Am einfachsten sind laut Jussupow die taktischen Themengebiete der Kapitel 1, 6 und 10. Schwieriger sind schon die positionellen Fragen in Kapitel 4 bzw. 9 und die Endspiele der Kapitel 3 und 8. Ab einem Niveau von 1800 DWZ/ELO empfiehlt Jussupow die Abschnitte 2 und 7, die sich mit der Variantenberechnung befassen. Das strategische Thema “Freibauer“ hält keine Blanko-Übungsaufgaben parat, dafür aber viele gut kommentierte Beispiele.

Einziger Wehrmutstropen in meinen Augen ist der offensichtlich nicht von einem Muttersprachler überarbeitete Text, der mit einigen holprigen Formulierungen aufwartet, allerdings auch keine wirklichen Verständigungsprobleme aufkommen lässt.

Resümee: Das angebotene Trainingsmaterial ist von (gewohnt) hoher Qualität; ich habe es selber schon mehrfach in meiner eigenen Trainingspraxis eingesetzt und kann es guten Gewissens weiter empfehlen.

 

 

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