Neil McDonald
Starting out:
The Dutch Defence
Everyman Chess 2004
In englischer Sprache
Paperback, 173 S.,
EUR 20,35

 

Die Belegexemplare
wurden freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann

zur Verfügung gestellt.

 








von Erik Zude

 

Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.

 

AKTIVE VERTEIDIGUNG GEGEN 1. d4 (II)

Neil McDonalds "Dutch Defence"
Empfehlenswert

Der englische GM Neil McDonald, bekannt durch zahlreiche Eröffnungsbücher, hat mit "Starting out: The Dutch Defence" eine Einführung in die holländische Verteidigung vorgelegt. Der Band, laut Cover "ideal for the improving player", richtet sich an Schachfreunde, die Holländisch mit Schwarz in Ihr Repertoire aufnehmen wollen.

Bibliography
Introduction
1 Dutch Gambit Lines (12 S.)
2 White Plays 2 Bg5 (11 S.)
3 White Plays 2 Nc3 ( 9 S.)
4 Stonewall Dutch (28 S.)
5 Classical Dutch: Introduction and Main Line (28 S.)
6 Classical Dutch: Various Alternative Ideas (20 S.)
7 Leningrad Dutch: Introduction and Main Lines (29 S.)
8 Leningrad Dutch: Other Ideas (21 S.)
Index of Variations
Index of Complete Games

Mit Holländisch wählt der Nachziehende eine aktive Verteidigung, die ihm, unter Inkaufnahme einer Schwächung seines Königsflügels, Chancen auf einen Angriff auf dieser Bretthälfte verspricht. Laut Neil McDonald, der auch in der Praxis ein eifriger Verfechter der holländischen Verteidigung ist, birgt diese Herangehensweise zwar einige Risiken, hat aber den Vorteil, dem Weißen einen Kampf aufzuzwingen. Frühe Abwicklungen in ruhige Remis-Varianten stehen ihm nicht zur Verfügung.

Neil McDonald hat den Band meines Erachtens didaktisch sehr gut strukturiert. Nachdem er in drei kürzeren Kapiteln die Nebenvarianten abhandelt, die ja des öfteren eine gewisse Hemmschwelle darstellen, konzentriert er sich danach auf die 3 Hauptsysteme Stonewall, klassisches Holländisch und Leningrader System. Seiner Meinung nach sollten die Vertreter der holländischen Verteidigung mit allen drei Systemen gut vertraut sein, auch wenn sie lediglich eines davon in der Praxis anwenden wollen. Er macht schon in der Einführung darauf aufmerksam, dass sich auch im klassischen sowie im Leningrader System des öfteren die Stonewall-Struktur ergeben können und ruft deswegen den Leser eindringlich dazu auf, den Stonewall nicht zu vernachlässigen.

Der Autor hat 50 komplette Partien kommentiert, überwiegend Großmeisterpartien, es finden sich jedoch auch einige Partien weniger hohen Kalibers. Neil McDonald zeigt auch ganz bewusst einige Partien mit relativ schwachem weißem Spiel, um dem Leser die Gefährlichkeit des schwarzen Angriffs am Königsflügel vor Augen zu führen. Bei denjenigen, die von einem vehementen schwarzen Gegenangriff überrollt wurden, finden sich allerdings auch einige hocklassige Großmeister!
Das Material ist aktuell, die neusten Partien sind aus 2004. Zum historischen Verständnis der Entwicklung der holländischen Verteidigung zieht der Autor jedoch auch Klassiker von Aljechin und Botwinnik heran.

Neil McDonalds Kommentare bestehen zum größten Teil aus ausführlichen Erläuterungen der beiderseitigen Ideen und Pläne; tief analysierte Varianten sind eher die Ausnahme. Er versucht stets, dem Leser den Kern einer Stellung nahezubringen und aufzuzeigen, wo der Schlüssel zur richtigen Fortsetzung liegt. Neil McDonald legt hier großen Wert darauf, die richtige Einstellung zur Eröffnung zu vermitteln: Schwarz geht bewusst ein Risiko ein und muss dafür im entscheidenden Moment auch energisch handeln. Stets um Objektivität bemüht, zeigt er auch Partien, in denen Schwarz dies nicht gelang. Z.B. findet sich ein klassisches Beispiel für einen Stonewall, in dem Schwarz ohne Gegenspiel auf seinen schwarzfeldrigen Schwächen sitzen blieb, oder ein Stounton-Gambit, in dem Schwarz aufgrund seines Entwicklungsnachteils verlor.

Neil McDonalds Herz schlägt für die holländische Verteidigung, er legt Optimismus an den Tag, verlässt aber nicht den Boden der Objektivität. Sein Schreibstil ist sehr eloquent, er erzählt auch die eine oder andere Anekdote oder erfreut sich hin und wieder an der Suche nach dem schöneren der zur Auswahl stehenden Mattbilder. Ich habe dies als sehr unterhaltsam aufgenommen.

Insgesamt ein sehr solides Werk, das hält was es verspricht: Dem Neuling in der holländischen Verteidigung wird ein guter Überblick über die Ideen dieser Eröffnung gegeben. Er erhält eine Basis, die Eröffnung in der Praxis anzuwenden und sich sein Erföffnungsrepertoire aufzubauen. Fortgeschrittene, die noch keine Erfahrung mit Holländisch haben, können ebenfalls von Neil McDonalds Erfahrung profitieren, insbesondere auch, wenn sie die weiße Seite vertreten. Für die Turnierpraxis wird aber weiterführende Literatur wichtig sein, z.B. Stefan Kindermanns Buch über das Leningrader System oder Simon Williams Werk "Play The Classical Dutch".

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