LIEBE KARL-LESER,

kaum ein anderes Weltmeisterschaftsmatch der letzten Jahre haben Schachfans in aller Welt so herbeigesehnt wie das zwischen Vishy Anand und Magnus Carlsen. Die Prognosen über den Ausgang gingen auseinander. Einige glaubten, der langjährige Titelträger könne durch eine gute Vorbereitung nicht nur die gewaltige Elo-Differenz zu seinem Herausforderer sondern auch den Altersnachteil wettmachen. Die meisten Experten tippten jedoch auf einen knappen Sieg des Norwegers. Der Weltranglistenerste warf spätestens mit seinem Doppelschlag in der fünften und sechsten Partie alle Zweifel an seinem Triumph über den Haufen. Das Endergebnis war für den indischen Titelverteidiger ein Desaster. Mit 3:0 unterlag er letztlich chancenlos. Nun hat eine neue Ära begonnen. Vishy Anand, einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte, wird sich seinen Abgang jedoch anders vorgestellt haben.

In Norwegen ist durch das Match ein wahrer Carlsen-Boom ausgebrochen. Ole Kristian Strøm, der Haus-und-Hof-Reporter Carlsens, erzählt im KARL-Interview, wie euphorisch sein Land den neuen Star feiert – obwohl dort kaum jemand Schach spielen kann.

Eric van Reem gehört seit dem Match gegen Topalow 2010 zu Anands Team. Er schildert, wie er die WM erlebte, und wie er auf Anands Spuren Chennai erkundete. Karel van Delft betrachtet den Wettkampf aus psychologischer Perspektive. Und natürlich haben unsere Kommentatoren – die Großmeister Gerald Hertneck, Karsten Müller, Mihail Marin, der amtierende Deutsche Meister Klaus Bischoff sowie IM Frank Zeller – die überwiegend spannenden und dramatischen Partien ausführlich analysiert.

Neben dem Match bot Indien viele Reibungspunkte und Geschichten. Die Provinz Tamil Nadu, die das Match finanzierte, hat seit einem Jahr Schach in der Schule eingeführt und mit den Schulmeisterschaften neue Maßstäbe gesetzt. Der erste indische FIDE-Trainer Ebenezer Josef berichtet über den jungen Anand, mit dem er als Kind im selben Klub gespielt hat. Und der erste indische IM Manuel Aaron spricht über den schachlichen Aufschwung seines Landes.

Noch ein Wort in eigener Sache:Leider müssen wir mit großem Bedauern mitteilen, dass unser langjähriger Kolumnist Wolfram Runkel nach acht Jahren mit diesem Heft seinen Abschied nimmt. KARL sagt Danke für die vielen Jahre!

Harry Schaack

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