LIEBE LESER,

die Flagge der Niederlande, die auch unser Cover ziert, ist die älteste Trikolore der Welt. Sie diente vielen anderen zum Vorbild. Ähnlich verhält es sich mit dem Schach. Holland ist zwar ein kleiner Staat, aber ein gewaltiger Fleck auf der Schachlandkarte mit großer Außenwirkung. Vieles ist hier vorbildlich, vieles war prägend, weit über nationale Grenzen hinaus.

Am Aufstieg Hollands hat Max Euwe maßgeblichen Anteil. Als er 1935 Alexander Aljechin entthronte und fünfter Weltmeister wurde, löste dies eine Euphorie unter seinen Landsleuten aus. Er schrieb so viele Schachbücher wie kein anderer Champion, mit denen gleich mehrere Generationen das Schachspiel erlernten. Sein Engagement beschränkte sich nicht nur aufs eigene Land. Als FIDE-Präsident war er maßgeblich am Zustandekommen des Matches zwischen Fischer und Spasski beteiligt. Unser Autor Mihail Marin widmet sich in seinem Artikel einer besonderen Facette von Euwes Spielstil, für die er viele Parallelen in dessen Biographie findet.

Die Niederlande hat eine lebhafte Turnierszene. Eines der weltweit wichtigsten Events findet jährlich im Januar in Wijk aan Zee statt. Im nächsten Jahr wird es die 73. Auflage erleben. John van der Wiel, der seit 28 Jahren Stammgast im kleinen Dorf unweit von Amsterdam ist, lässt die Geschichte Revue passieren, beschreibt die unvergleichliche Atmosphäre, und zeigt die besten Partien.

Schon 1938 organisierte die niederländische Rundfunkgesellschaft AVRO eines der stärksten Turniere aller Zeiten, in dem die ersten acht der Weltrangliste aufeinander trafen. Peter Anderberg wirft einen Blick hinter die Kulissen dieser legendären
Veranstaltung.

Mit New In Chess beherbergt Holland auch die führende Schachzeitschrift. Das hohe Niveau garantiert auch der Chefredakteur, Dirk Jan ten Geuzendam, der seit 25 Jahren die Geschicke des Blattes lenkt. KARL sprach mit einem der renommiertesten Schachjournalisten über seine ereignisreiche Karriere.

In Den Haag befindet sich die „Bibliotheca van der Linde-Niemeijeriana“, eine der größten öffentlichen Schachsammlungen der Welt. Der Grundstock des Bestandes stammt von Antonius van der Linde, der im 18. Jahrhundert wegen Geldproblemen seine Kollektion verkaufen musste. Über seine schwierige Beziehung mit einem anderen großen Holländer, dem Autor Multatuli, berichtet Michael Negele.

Im Porträt spricht Loek van Wely über seinen Weg in die Weltspitze und verrät seine Zukunftspläne, in denen Schach einen deutlich kleineren Raum einnehmen wird.

Harry Schaack

editorial