EIN WORT ZUM SCHLUSS

Von Johannes Fischer


Ich war 14 oder 15, als ich anfing, gegen Erwachsene zu spielen. In der Kreisliga in Hamburg, in der dritten oder vierten Mannschaft meines Vereins. Die Wettkämpfe fanden abends statt, meistens in Gaststätten mit dunklen Räumen, schweren Tischen und Stühlen und wenig Besuchern. Einmal spielte ich mit Weiß gegen einen älteren Mann mit Anzug, Krawatte und weißem Hemd. Nach 1.e4 antwortete er ohne zu Zögern und energisch 1…e6. Datenbanken und Analyseprogramme gab es damals noch nicht, Eröffnungen studierte man mit Büchern aus dem Sportverlag, doch trotz fehlender theoretischer Kenntnisse gewann ich nach zwanzig Zügen mit einem Angriff am Königsflügel. In der Analyse schlug ich vor, er hätte doch irgendwann f6 spielen können, um Gegenspiel im Zentrum zu bekommen und meinen Springer nicht nach g5 zu lassen. Daraufhin riss mein Gegner die Augen auf, beugte sich vor, ruderte mit den Armen und schrie mich an: „Was soll das denn? Das schwächt e6 und die Königsstellung und überhaupt: seit wann spielt man im Franzosen f6?“

Nach der vierten Auflage von John Watsons Play the French, zahllosen live im Internet verfolgten Partien aus Spitzenturnieren und einer Reihe von Französischpartien, in denen ich das weiße Zentrum mit f6 mit Freude und gestützt auf die Empfehlungen moderner Theoretiker zerstört habe, weiß ich, dass ich diesen Rat eines nur scheinbaren Französischkenners schnell aus meinem Kurzzeitgedächtnis hätte löschen sollen. Doch mittlerweile ist er im Langzeitgedächtnis und bleibt dort wahrscheinlich länger als alle Französisch-Theorie. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis mich ein junger Nachwuchsspieler mit Weiß in zwanzig Zügen mattsetzt, weil ich f6 vergessen habe.