LIEBE KARL-LESER,

Weltmeisterschaften sind immer etwas Besonderes, Meilensteine der Schachgeschichte. Sie bilden das Gerüst, an dem sich alle anderen Ereignisse ausrichten. Grund genug, dem Ereignis einen ganzen KARL zu widmen. Weil wir auf mehrere Kolumnen verzichtet haben, ist das Heft nun fast so etwas wie ein Turnierbuch – mit Analysen zu allen Partien – geworden.

Das Match zwischen Titelverteidiger Vishy Anand und Herausforderer Boris Gelfand ging über die volle Distanz. Der Sieger konnte erst in einem spannenden Tiebreak ermittelt werden. Über drei Wochen hinweg präsentierten sich zwei völlig gleich­wertige Gegner, wie Anand auch in unserem KARL-Exklusiv-Interview einräumt.

In den Medien geriet das Match wegen der vielen Kurzremisen schnell in die Kritik, die in mancher Hinsicht überzogen war und die Qualitäten des Wettkampfes verdeckte. Mit der 1., 3., 7., 8., 9., 10. und 12. gab es mehrere inhaltsreiche Partien mit bemerkenswerten Zügen. Die Kritik überdeckte auch andere Aspekte wie die phantastische Vorbereitung Gelfands, der sich ein völlig neues Eröffnungsrepertoire für das Match zurechtgelegt hatte und damit Anands bekannt starker Vorbereitung den Stachel zog. Zudem stand eine Vielzahl von Eröffnungen zur Debatte, wobei insbesondere die Rossolimo-Variante schnell theoretischen Nachhall fand. Nicht zu vergessen sind die vier voll ausgekämpften Schnellpartien des Tiebreaks, die alle Facetten des Spiels zum Ausdruck brachten.

Mit Moskau verlieh ein ganz spezieller Spielort dem Match einen besonderen Zauber. Die lebendige Schachgeschichte der russische Metropole findet auch in Beiträgen unseres Heftes ihren Niederschlag. Darüber hinaus entstand durch zahlreiche Persönlichkeiten und Legenden vor Ort eine unvergessliche Atmosphäre.

Wie es hinter den Kulissen aussah, beschreibt Eric van Reem, der zu Anands Team gehörte. Johannes Fischer geht der Frage nach, was Sekundanten leisten müssen. Und Mark Gluchowski spricht in unserem Interview über die Vorbereitungen des Matches und vom Schwinden der Bedeutung des Schachs in Russland.

In unserem Porträt erzählt diesmal einer der umtriebigsten Geister im deutschen Schachbereich, der Schachpublizist und Fernschachspieler Arno Nickel, über seine politische Vergangenheit, den Schachkalender und neue Ideen zum Schachregelwerk.

Harry Schaack

 


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