LIEBE LESER,

als Organisator Hans-Walter Schmitt im Januar bekannt gab, dass die Chess Classic nicht mehr fortgeführt werden, endete eine 17-jährige Tradition. Die Veranstaltung, für die ich von 2007-2009 als Pressesprecher tätig war, setzte Maßstäbe hinsichtlich der Größe, der Leistungsdichte sowie der multimedialen und zuschauerorientierten Präsentation. Mit der Absage geht nicht nur ein Stück deutscher Schachkultur zu Ende. Auch die Welt hat eines ihrer glamourösesten Schachfeste verloren.

Die Chess Classic war ein Mammutfestival, eine Melange aus Schnell- und Computer­schach sowie Chess960. Hunderte Amateure und Profis pilgerten alljährlich im Sommer in die Mainzer Rheingoldhalle. 2007 erreichte das gewaltige ORDIX Open mit einer Teilnehmerzahl von 760 einen Weltrekord. Für viele Vereinsspieler war es das Turnier des Jahres. Hier sah man Weltklassespieler aus nächster Nähe, hier begegnete man lebenden Legenden wie Kortschnoi, Portisch, Hort oder Anderssen. Und nach den eigenen Partien verfolgte man am Abend die WM-Matches von Anand, Kasparow, Kramnik, Carlsen & Co. Die Classic waren vor allem ein internationales Treffen, eine Messe, eine kleine Olympiade!

Besondere Verdienste erwarb sich die Chess Classic, als sie das Chess960 – jene von Bobby Fischer vorgeschlagene schachliche Spielart, in der die Anfangsstellung der Figuren ausgelost wird – massentauglich machte. Die Weltklasse fand besonderes Gefallen daran. Aufgrund der Initiative der Chess Tigers ergänzte die FIDE 2009 ihr Regelwerk um einen Chess960-Paragraphen.

Computerschach war schon früh fester Teil der Veranstaltung. Alle Spielarten probierte man aus, von Mensch gegen Maschine über das Advanced Schach hin zu reinen Computerweltmeisterschaften im Chess960. Für Programmierer war die Chess Classic eine ihrer wichtigsten Wirkungsstätten.

Mein Dank gilt dem Organisator Hans-Walter Schmitt und den Chess Tigers, die uns bei der Realisierung dieses Heftes unterstützt haben.

Im Porträt spricht der Deutsche Meister 2010 Niclas Huschenbeth über seine noch junge Karriere. Er zählt zu den größten Nachwuchshoffnungen des Landes. Auch wenn er seinen Titel bei der Deutschen Meisterschaft 2011 in Bonn nicht verteidigen konnte, gelang ihm mit seinem Sieg gegen Jan Gustafsson die vielleicht schönste Partie der Veranstaltung.

Noch ein Wort in eigener Sache: Mit dieser Ausgabe feiert KARL sein zehnjähriges Jubiläum. Deshalb bieten wir unseren Lesern auf S. 64/65 ein Sonderangebot und ein Spezial-Schachpreisrätsel. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir zehn Jahresabos. Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht versäumen, uns für die langjährige Treue unserer Leser zu bedanken, die dieses Jubiläum erst möglich machten.

Harry Schaack

 

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